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Der Morgen · 1938-09-01 · Heft 6 (September 1938) · p. 238

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 6 (September 1938)
Article
Die Laute
Date
1938-09-01
Page
238 (sequence 1)
Language
German
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Mala Laaser: Die Laute In allerletzter Stunde, Lieber, will ich dir noch sagen, wie's mir zumut ist in dem ausgeräumten Zimmer ... die Fenster bläken mich an, nicht freundlich, gar nicht blank: ich hätte sie noch putzen sollen. Aber Unsinn! Das mögen die tun, die nach uns kommen. Für dich und mich ist's wohl genug, daß ich die grünen Vorhänge säuberlich gewaschen und gerichtet habe. Wir brauchen sie dann dort nur ein wenig überzuplätten. — Du, ich sitze zum Schreiben auf dem kleinen braunen Koffer mit dem unausstehlichen Griff. Als Unterlage hab' ich die vollgestopfte Aktentasche auf den Knien; wirst du auch lesen können, was ich da niederschmiere? Wenn nicht, ist's auch kein Unglück; denn, ehrlich gesagt, liegfs mir mehr am bloßen Schreiben heut als am Bedürfen, mich dir mitzuteilen — bald halte ich dich ja in meinen Armen, bald. — Vielleicht werd' ich diesen Brief überhaupt nicht an dich nach New York schicken; ich laß ihn einfach liegen in dem leeren Zimmer auf dem Kachelofen. Die nach uns kommen, finden ihn dann, wundern sich, daß außer einem dicken Abschiedsbrief nichts von uns zurückgeblieben ist — und lesen ihn. Wenn man erfahren könnte, was mit einem solchen Brief geschieht! Ob man ihn bewahren wird, weil er schließlich ja doch rührend ist in seiner Art, oha!? Oder ob er auf den Müllhaufen wandert? Ach, Lieber, ich sehe förmlich, wie du dasitzst und den Kopf schüttelst; hast gut schütteln, du drüben weit hinterm Abschied. Aber ich sitze mutterseelenallein in diesem leeren ausgestorbenen Zimmer auf gepackten Koffern und muß das Schwerste ohne dich bestehen ... das Schwerste, Lieber! Neben dem Koffer, auf dem ich throne, liegt etwas auf dem Fußboden, wofür kein Raum mehr ist. Rate, was! Oder muß ich erst gro-ß helfen? Also, ohne Rederei: unsre Laute liegt da neben mir, die braune Freundin der Vergangenheit; die bunten Bänder mit den eingestickten Liederworten habe ich gestern schon beim Pförtner im Heizkeller verbrannt, — es zischte kaum, die Seide war ja lang schon brüchig ... Zunder! „Nur die Bänder?", höre ich dich fragen. — Ja, die Laute ist noch unversehrt. Ich hab' sie mir bis ganz zum Schluß gespart, den gelackten Rücken mit der karg gebeizten Schallfläche. Eine Rose zittert unterm Saitenbund, schön geschnitzt aus Holz, mit Durchschlupflöchern für den Ton, und die Saiten, am Lautenhals entlang, münden jedes um einen Stöpsel. Ich brauch' dir das ja nicht zu sagen, — es war ja deine Laute so wie meine. Hast doch selber die dunklen 238

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