Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1938-09-01 · Heft 6 (September 1938) · p. 232

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 6 (September 1938)
Article
Die Wasser Babels
Date
1938-09-01
Page
232 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2895450-2895580-2895586-2908512--10847-2908552
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Von Sünde und Sühne Verschüttet und versandet, halb zerstört, eine gigantische Mahnung, liegen heute die Betten der alten Wasserläufe unter dem Schutt zerbröckelnder Dämme. Ein großer Teil dieses fruchtbarsten Gebietes der Menschheit ist mit dem Verfall der Kanäle wieder zum Sumpfland geworden wie zu Beginn aufdämmernder Kultur, als die schweifenden Jäger aus den Bergen im Gebiet der Ströme die ersten Gräben zogen. Unter Trümmerhügeln ruhen die gewaltigen Stätten des alten Orients; mühsam ausgegraben erhebt sich Babylon, einst die stolzeste Stadt des uralten Kulturzentrums im Zweistromlande, als das Wasser der Kanäle wahrhaft zum „Lebenswasser" wurde, und die Wasser Babels eine Welt getragen. Von Sünde und Sühne Sagt jemand, er wolle sündigen und Buße tun, so wird es ihm nicht gelingen, Buße zu tun; sagt er, er wolle sündigen, und der Versöhnungstag werde es sühnen, so sühnt der Versöhnungstag es nicht. Sünden des Menschen gegen Gott sühnt der Versöhnungstag, Sünden des Menschen gegen seinen Nächsten sühnt der Versöhnungstag nicht eher, als bis der Mensch sich mit seinem Nächsten selbst ausgesöhnt hat. * Rabbi Jizchak sagte: Wer seinen Nächsten kränkt, wenn auch nur durch Worte, muß ihn besänftigen, denn es heißt: mein Sohn, bist du Bürge geworden für deinen Nächsten, hast du für einen andern deinen Handschlag gegeben, bist du verstrickt durch die Rede deines Mundes, so tue doch dieses, mein Sohn, daß du dich errettest. Hast du Geld, so öffne deine Hand, wenn aber nicht, so lasse Freunde bei ihm für dich sprechen. Rabbi Hisda führte das Wort an: er soll vor den Leuten bekennen und sprechen: ich habe gefehlt und das Recht verkehrt, Und es Wurde mir nicht Vergolten. Talmud, Traktat Joma Vlll und I Ferner lehrte Rabbi Jizchak vier Dinge verwandeln das Urteil über den Menschen, und zwar Almosen, Gebet, Änderung des Namens und Änderung der Taten. Almosen, denn es heißt: Almosen rettet vom Tode. Gebet, denn es heißt: Da schrien sie zum Herrn in ihrer Not, und er befreite sie aus ihren Bedrängnissen. Änderung des Namens, denn es heißt: Dein Weib Saraj sollst du nicht mehr Saraj nennen, sondern Sara soll ihr Name sein, und ich will sie segnen und ich will dir durch sie einen Sohn schenken. Änderung der Taten, denn es heißt: Und Gott gewahrte ihr Tun, und darauf heißt es: da ließ Gott sich das Urteil gereuen, das er ihnen angedroht hatte, und er fügte es ihnen nicht ZU. Rosch Haschana I, 2 232

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.