Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 5 (August 1938)
- Article
- Vier Gedichte
- Date
- 1938-08-01
- Page
- 201 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2895450-2895580-2895585-2908432--10798-2908485- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Marianne Rein: Vier Gedichte Nacht über der Großstadt Vor dieser Helle muß dein Zauber enden. Das wache Auge fliehen Schlaf und Traum. Die Bogenlampen stehn wie Baum an Baum, nur daß die Kronen Licht, nicht Schatten spenden. Die Straßen ziehn gerade wie Alleen, doch strömen sie nicht edle Ruhe aus, zu 'ihren Seiten drängt sich Haus an Haus und alle münden in die großen Seen der weiten Plätze, schimmernd von Asphalt. Auf ihrer Glätte muß das Licht zerschellen und breit zerfließen, wie in flachen Wellen. Doch scheinen sie in aller Helle kalt; kein Schatten, weich, auf ihrer Leere liegt: Hier bist du, Nacht, vertrieben und besiegt. Sommerhagel Die große, schwere, schwarze Wolke zog, sie dunkelte den Glanz des Himmels ein und fraß den Vogelschwarm, der drunter flog. Ein gelbes Schwefellicht trieb seinen Keil durch ihre hochgebauschte dichte Wand und fuhr in ihren Schoß, gespannt und steil. Die Hagelkörner schlugen in das Gras, daß es sich tief hin zu der Erde bog. Der Himmel wurde klar wie Silberglas. Als hätte eine leichte, sanfte Hand darüber hingestrichen, lag der See und fing die Wellen ein am Uferrand. Das umgeschlagne Gras durchstrich der Wind. Und alle grünen Halme und der Klee sie standen wieder auf, als war' ein Kind dahingetanzt, nacktfüßig und geschwind. «20/