Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 5 (August 1938)
- Article
- Vier Gedichte
- Date
- 1938-08-01
- Page
- 200 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Marianne Rein: Vier Gedichte Faltertod Das Licht verrinnt wie goldner Sand. Die Hirtenflöte klagt im Land. Der Tag erlischt im Dämmerschein. Nachtfalter schweben grau herein. Der Kerze Docht brennt feuerrot. Auf seiner Flamme tanzt der Tod. Wie Blumenkelch blüht Kerzenschein. Nachtfalter taumeln blind hinein. Stiller Tag Silbern rinnt des Wassers Kühle, lautlos rauscht die Mittagsschwüle, und dazwischen flüstert Wind in den Gebüschen. Hingelagert ruht die Herde. Wollnes Vlies schmiegt sich zur Erde. Über Gräsern schwebt der Himmel hoch und gläsern. An den Halmen paarweis hangen Falter, die sich spielend fangen: Bunte Waage, schwer von Liebe, schwer vom Tage. Abendröte kommt geflossen, Blumenkelch hat sich geschlossen. In der Ferne blinken auf die ersten Sterne. 200