Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1938-08-01 · Heft 5 (August 1938) · p. 200

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 5 (August 1938)
Article
Vier Gedichte
Date
1938-08-01
Page
200 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
85% known words query
IRI
…/2895450-2895580-2895585-2908432--10797-2908484
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Marianne Rein: Vier Gedichte Faltertod Das Licht verrinnt wie goldner Sand. Die Hirtenflöte klagt im Land. Der Tag erlischt im Dämmerschein. Nachtfalter schweben grau herein. Der Kerze Docht brennt feuerrot. Auf seiner Flamme tanzt der Tod. Wie Blumenkelch blüht Kerzenschein. Nachtfalter taumeln blind hinein. Stiller Tag Silbern rinnt des Wassers Kühle, lautlos rauscht die Mittagsschwüle, und dazwischen flüstert Wind in den Gebüschen. Hingelagert ruht die Herde. Wollnes Vlies schmiegt sich zur Erde. Über Gräsern schwebt der Himmel hoch und gläsern. An den Halmen paarweis hangen Falter, die sich spielend fangen: Bunte Waage, schwer von Liebe, schwer vom Tage. Abendröte kommt geflossen, Blumenkelch hat sich geschlossen. In der Ferne blinken auf die ersten Sterne. 200

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.