Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 5 (August 1938)
- Article
- Salomon Maimon
- Date
- 1938-08-01
- Page
- 194 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Suse Michael: des Tores, das jener hinter ihm zugeworfen: das Rosenthaler Tor hatte sich wieder geschlossen. Aber er war kein Bettler mehr und kein Vagabund, an dem die Bürger in stolzen Karossen vorüberfuhren — jemand sagte: Salomon ben Josua. Die Segenssprüche wurden verlesen, zu denen. würdige Gemeindemitglieder aufgerufen werden, und siehe, jemand nannte seinen Namen, und auch er wurde aufgerufen. Er schritt langsam durch das Gotteshaus auf den Altar zu. Warum zitterten seine Knie? Als er vor der Heiligen Lade stand, war es ihm, als müsse er schreien. Er sah nicht die Segenssprüche, die er hätte sprechen müssen, er brach in die Knie und rief: „Adaunoi echod!" Eine Hand fuhr ihm über die fiebernasse Stirn. „Es hilft uns zur Ruhe", wiederholte der Pastor. „Ich bin ruhig", sagte Maimon. Als man ihn im benachbarten Glogau zu Grabe trug, liefen die jüdischen Gassenjungen johlend hinter dem Sarge her und bewarfen ihn mit Steinen. Der Friedhof der Gemeinde hatte keinen Platz für ihn. Er wurde als Ketzer außerhalb der Mauern in einem Winkel verscharrt. Kein Stein trägt seinen Namen. Der Ort seiner Ruhe ist nicht mehr bekannt. Suse Michael: Umgang mit Andern Ein Beitrag zum Lebensproblem Wenn wir über den Umgang mit anderen Menschen sprechen, was doch bedeutet, wie man auf angemessene, liebevolle und gute Weise mit seinesgleichen lebt, so kann vielleicht das Wort in seiner sinnlich - buchstäblichen Bedeutung einen Hinweis geben. Was bedeutet doch Umgang? Einen Gang, der um etwas führt, eine Säulenhalle um das Innere eines Tempels, den Rundblick aus der lichten Höhe eines Turmwefks; die Bewegung um einen Mittelpunkt also, die zu tieferer Erkenntnis dient. Hund und Katze sind zwar Haustiere, durch menschliche Einrichtungen vor unmittelbaren Gefahren geschützt. Wenn man sie beobachtet, kann man jedoch bemerken, daß ehe sie sich zur Ruhe legen, bevor sie noch Nahrung aufnehmen, ja selbst vor der Abgabe der verarbeiteten Lebensstoffe, sie sich wie im Kreise um den jeweiligen Ort ihres Tuns bewegen. Nicht nur einmal, — dreimal, siebenmal scheint eine Katze wie plan- und sinnlos in ihrem wohlausgepolsterten Schlafkorb sich umzudrehen, 194