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Der Morgen · 1938-08-01 · Heft 5 (August 1938) · p. 187

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Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 5 (August 1938)
Article
Das Reich Gottes in der Wüste
Date
1938-08-01
Page
187 (sequence 6)
Language
German
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Das Reich Gottes in der Wüste Die Revolution der Getreuen gegen diese „Neuerungen" endete im Dezember 1929 im Batintal mit der blutigen Niederlage der Aufständischen. Es war die Probe aufs Exempel. Ed Dawisch mußte untergehen, weil er nicht verstand? daß selbst eine Wahabirevolution nicht zu einer latenten Einrichtung werden kann, daß selbst ein Beduinenstaat schließlich in den Zustand friedlich aufbauender Konzentration der Kräfte eintreten muß. Für Haudegen von der Sorte dieses glühenden Verfechters des wahabischen, des beduinischen Ideals hat ein Staat auf solcher Stufe keine andere Verwendung als die eines auf Befehl seines Herrn hervorbrechenden Grenzwächters. Der große Kampf im Innern Arabiens wird in dieser Generation nicht beendet sein, denn es ist ein Kampf gegen den Charakter des Beduinen, wie er sich in den Tausenden von jähren unsteten Nomadenlebens entwickelte. Egoismus, Wankelmütigkeit, Neigung zu Intrigen, Unbeständigkeit auch im beschworenen Bundesverhältnis sind Faktoren von der gleichen Stärke wie mittelalterlich-ritterliche, in diese Zeit eigentlich nicht mehr hineinpassende glänzende Eigenschaften des Beduinen. Ibn Saud wird sie nicht ausrotten; dazu ist ein Menschenleben zu kurz und die Tradition der Wüste zu stark. Aber wie es ihm gelungen ist, aus der Räuberhöhle Nedjd eines der sichersten Länder der Welt zu machen — dem Mörder wird dort der Kopf, dem Dieb der Hand abgehauen —, so hat er eine Grundlage gelegt, auf der seine Nachfolger die Unsicherheit des Charakters der Söhne der Wüste brechen können. Wir wissen nicht, wohin die Zeit und die Entwicklung schreitet, und können auch nicht sagen, ob Ibn Saud und sein Werk bestehen oder ob der Kampf um das Petroleum, von dem es im Osten und im Westen der Saudije reiche Quellen gibt, die ethische Sendung dieses Befreiers der Wüste eines Tages zunichte machen wird. Doch daß die Passivität Arabiens zu Ende ist, ist eine geschichtliche Tatsache, und daher muß jede Macht und jede Bewegung, die mit Vorderasien etwas zu tun hat, damit rechnen. Ibn Sauds Bedeutung tritt am besten hervor, wenn man ihn mit seinem Nachbarn, dem beinahe dem gleichen Milieu entstammenden autokratischen Herrscher des Yemen vergleicht. Während Yemen die Mittel der Behauptung seiner Unabhängigkeit in fast hermetischer Absperrung von Europa und in mittelalterlich-despotischen Regierungsmäßnahmen sucht, weiß der Beduinenabkömmling großzügig das Wesentliche, das zum Fortschreiten und zur Selbsterhaltung Notwendige, vom Unwesentlichen zu entscheiden. Das ist Ibn Saud, Sohn des Abd Urrahman, Herrscher der Saudije und Imäm aller Ichwän. IST

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