Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 5 (August 1938)
- Article
- Hoffnung und Verwirklichung
- Date
- 1938-08-01
- Page
- 178 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Hoffnung und Verwirklichung ergründen, unter denen sein Helfer selber steht- Die Politik hat ihre Gesetze, die man nicht ohne Schaden übersieht, das Helfen seine Bedingungen wie das Sichhelfenlassen. Sichhelfenlassen und Hilfe sind also aufeinander bezogen, und in dieses Bezogenheitssystera müssen erst die beiderseitigen Vorbedingungen mit eingehen und darin zum Ausgleich gebracht werden, bis ein lebensfähiges und dauerhaftes Resultat entstehen kann. Es kann kein egozentrisches Helfen geben und es kann kein einseitiges Sichhelfenlassen geben, ohne daß einer der Partner dabei zu kurz kommt, wie ein Friede nicht dauerhaft ist, wenn er nicht auch die Lebensnotwendigkeiten des Besiegten berücksichtigt. Denn nichts auf dieser Erde ist einseitig. Wie aber echte Hilfe aussieht, darüber haben wir Juden eigenste Erfahrung. Nach altjüdischer Auffassung ist Helfen eine Mizwa, ein Gottesgeschenk, ein Anteil des Menschen an Gottes Verwirklichung in dieser Welt, ein Anteil am ewigen Leben. Wer die Kraft und Demut hat zu bitten, der macht das Herz des Gebenden zum Helfen frei, läßt den Reichen im Schenken seinen Reichtum fühlen, erlöst die Einsamkeit toten Besitzes in die Verbundenheit menschlicher Gemeinschaft. Der Bittende erweist also dem Gebenden ebenso einen Dienst wie dieser ihm; ihre gegenseitige Beziehung tut, wie jede echte Beziehung, beiden gleichermaßen wohl; und in diese Gegenseitigkeit geht etwas von der Weltliebe Gottes ein, sein Gebot erfüllend: Liebe deinen Nächsten, denn er ist wie du. Aus einer Verkehrung dieses vorbildlichen Verhältnisses von Bitte und Hilfe ergibt sich die Haltung des Schnorrers, der im Bewußtsein, dem Spender zu einer Wohltat Gelegenheit zu geben, nicht bittet, sondern fordert, anmaßend und einseitig, ohne den andern frei gewähren zu lassen. Allerdings weiß er, was ihm fehlt, weiß, was ihm nottut, und heischt nur Befriedigung der einfachsten Lebensnotdurft; er macht es also leicht, zu geben oder abzulehnen. Das Gegenbild des Schnorrers ist die bekannte Erscheinung des Menschen, dem es zu schlecht geht, als daß man ihm helfen könnte. Er erweckt Mitleid, wo er erscheint, und jeder wäre geneigt, etwas für ihn zu tun; doch er weiß nicht, was ihm fehlt, sein Unglück drückt ihn nur, ohne auch neue Kräfte in ihm zu wecken, und keine helfende Hand würde genügen, ihn auf festeren Grund zu leiten, — man hätte ihn, wie die Sprache es so richtig ausdrückt, „auf dem Hals". Das Ergebnis allen guten Willens, ihm beizustehen, ist dann meist, daß das Gefühl der Unzulänglichkeit und Unfruchtbarkeit dieser Hilfe sich als Unwille auch noch gegen den Armen kehrt. Daß Hilfsbereitschaft zur Hilfe werde, müssen also mehr Voraussetzungen erfüllt sein, als man gemeinhin meint. Es gehört US