Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1938)
- Article
- Zur Bibelerklärung [Rezension]
- Date
- 1938-07-01
- Page
- 175 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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nicht die Namen der großen Psalmenforscher der Neuzeit, aber in jeder Zeile ist zu fühlen, daß er die Forschung und ihre Fragen kennt, sich mit dem Problem des „Ichs der Psalmen" auseinandergesetzt, die Thesen der gattungsgeschichtlichen Forschung verarbeitet hat. Doch stellt er seine Gelehrsamkeit nicht zur Schau, sondern dient dem gegebenen Worte. Die Schlußanmerkung zum 46. Psalm zeige die Richtung von Spaniers Deutung: „Nicht irgendein Fürwahrhalten, nicht etwas Intellektuelles überhaupt ist seine charakteristische Grundlage, sondern nur die Stimmung unbedingten, grenzenlosen Vertrauens zu einem gütigen, Natur und Menschengewalt beherrschenden Gotte, dem der Dichter sich in heißem Danke gleichsam unmittelbar ans Herz wirft." Gegenüber solcher vorbildlichen Haltung dürfen kleine Einwendungen im Einzelnen wie gegen manche exegetische Bemerkungen, die an Stelle der Anfangsworte getretenen Ueberschriften usw. ruhig zurücktreten. Die Bücher von Hertz und Spanier sind Hausbücher, die zum täglichen- Gebrauch immer erreichbar sein sollten. Fritz Aronstein Jüdische Wirklichkeit heute Der Vortrupp-Verlag beginnt mit der Herausgabe einer Schriftenreihe „Jüdische Wirklichkeit heute". Der Herausgeber Hans Joachim Schoeps ist sich bewußt, daß es hier und heute ein Wagnis ist, ein mutiges Unternehmen, zu den Fragen unseres geistigen Seins mit einer solchen Reihe von Schriften die Stimme zu erheben. Der Kreis derer, die jenen Dingen Ohr, Herz und Hirn widmen, hat die Verantwortung dafür, daß eine solche Schriftenreihe bestehen kann. Gerade weil wir ums der Absicht dieser neuen Reihe verbunden fühlen, von deren Inhalt manches in dieser Zeitschrift zuerst erschienen ist, darf man. feststellen, daß einiges Stilistische den günstigen Gesamteindruck der Reihe mindert: die Bemerkung des Vorworts z. B., daß hi den Heften „Wesentliches in knapper Form gesagt wird, ebenso verständlich wie tiefgründig, daß sie für jeden ... unentbehrlich werden sollen" hätte man lieber aus dem Munde des Kritikers als aus dem des Herausgebers gehört. Die religiöse Frage als die entscheidende eröffnet mit Recht die Reihe der Hefte. Was Schoeps diagnostisch sagt, ist vortrefflich und verdient ob der Unerschrockenheit und Klarheit allen Dank. Er stellt den religiösen Bruch, den die Aufklärung heraufführte, und die Situation der Gespaltenheit so unbestechlich dar, daß man auf seine Antworten gespannt ist. Leider wird er hier nun (man verstehe das Wort ohne abwertenden Unterton) mystisch. Während er zunächst aussprach, daß es für den modernen, nicht glaubenslosen, doch ungläubigen Juden kein Faktum gebe, das Gott zu mehr als einer Vokabel mache, meint er plötzlich, daß der Hinweis auf die Auserwählung Israels zum Bundesvolk, auf den Bundesschluß Gottes als Faktum zulänglich und überzeugend sein müsse. Für ihn ist „die berith eine objektive Veranstaltung"; daraus 175