Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1938-07-01 · Heft 4 (Juli 1938) · p. 174

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 4 (Juli 1938)
Article
Zur Bibelerklärung [Rezension]
Date
1938-07-01
Page
174 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2895450-2895580-2895584-2908358--10756-2908419
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Hertz glaubt man: manchmal, einen neuen Midrasch, eine Fortführung der Alten zu lesen. Unsere Großväter lasen den Chumasch vielleicht noch mit den Erklärungen Raschis oder dem „Biur' Moses Mendelssohns und seiner Schule. Dieser neue Biur in englischer Sprache, deren erster Band jetzt auch deutsch erschienen ist, will unserer Zeit den Chumasch, das Fünfbuch erklären. Hertz will nicht originell sein; er bringt eine Fülle von Zitaten jüdischer Gelehrter aller Zeiten und nichtjüdischer Forscher aller Völker, besonders aber englischer. Die Deutung will die gesamte jüdische Kultur in ihrer Einzigartigkeit erklären und hält sich an einzelne Worte, an Sätze und an große Zusammenhänge. Ausführliche Exkurse und Noten sind wichtigen Fragen gewidmet und setzen sich mit den Anschauungen radikaler Bibelkritik, auch moderner Naturwissenschaften, mit verschiedenen Richtungen der Theologie und der Philosophie und schließlich auch mit Angriffen auf die Bibel auseinander. Dabei kann man den Beweisführungen des Kommentators in seine Teligionswissenschaftlichen Noten, die die gesamte alte Kulturwelt vor uns erstehen lassen, nicht immer folgen; aber auch aus den Stellen, an welchen man anderer Meinung ist, schöpft man Belehrung. Chief-Rabbi Dr. Hertz wollte den Juden des britischen Weltreiches eine H a u s b i b e 1 geben, eine Bibel in unseren Tagen. Das tritt auch im Kommentar zutage, wenn der Homilet sich in weisen Worten über den Exegeten stellt. Zu dem Segen über Efraim und Menascheh (Gen. 48/20) heißt es etwa: „Efraim und Menascheh haben ihr Judentum nicht gegen die höchste soziale Stellung und die beneidenswerteste Laufbahn im ägyptischen Staat eingetauscht. Sie gaben vielmehr ihre Stellung in der hohen ägyptischen Aristokratie freiwillig auf und identifizierten, sich offen mit ihren „fremden" Verwandten, den verachteten eingewanderten Hirten. Möge jeder jüdische Vater beten, daß auch seine Kinder dieselbe Ergebenheit ihrem Vater und ihres Vaters Gott gegenüber beweisen wie Efraim und Menascheh." Der englischen Ausgabe ist der Text der Revised Edition mit kleinen Abweichungen gegeben. Die deutsche Ausgabe enthält die Uebersetzung von Leopold Zunz. Die Ausstattung ist im Englischen prächtig: Karten und Zeichnungen, Beigaben aller Art ergänzen den Text. Die deutsche Uebersetzung (die bei dem Kommentar nicht immer ganz rein ist) ist schlichter, aber doch vornehm. Das Buch füllt eine große Lücke in unserer religiösen Literatur aus. Es leitet zum wahren liebevollen Verständnis des Textes hin. Meier Spanier sucht in seinem Buche „Ausgewählte Psalmen"*) „die Einfühlung in den religiösen wie ästhetischen Gehalt der Psalmen zu erleichtern". Die Art der Auslegung mahnt öfter an das große Vorbild „Vom Geist der Ebräischen Poesie"; echtes künstlerisches Verstehen, an westeuropäischer Dichtkunst geschult, ist mit wahrer Frömmigkeit gepaart. Spanier nennt *> Dritte vermehrte Auflage Berlin, Vortruppverlag 1938. 174

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.