Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1938)
- Article
- Eingänge / L. H.
- Date
- 1938-07-01
- Page
- 170 (sequence 2)
- Language
- German
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nen, und man müßte polyglotter als irgendeiner der in Fachkreisen berühmten Spezialisten der Außenministerien sein, um aus diesen Blättern einen rechten Oberblick über das Golus der Gegenwart zu gewinnen. Schon unsere eignen „Eingänge", die natürlich nur einen Bruchteil der beim Jiwo gesammelten Zeitschriften aus aller Herren Ländern ausmachen, sind höchst interessant, auch wenn man nur beachtet, was sie an Geschichte, Literatur, Kritik, Bibelkunde und Kunst bieten. Institutionen wie bei andern Völkern, Universitäten und Akademien haben wir wenige, den Rest ersetzen die Arbeiten in Zeitschriften. Welcher Fleiß, welche Akribie beherrscht etwa (um im eignen Kreis zu beginnen) Siegfried Steins Arbeit über die Zeitschrift „Sulamith", die erste jüdische in deutscher Sprache, die David Frankel und Joseph Wolf 1806 in Dessau „zur Beförderung der Kultur und Humanität unter der jüdischen Nation" herauszugeben begannen. Da Stein sein Thema erschöpfend behandelt, gibt er ein rundes Bild der jüdischen Entwicklung im Deutschland des 19. Jahrhunderts (Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland). Ebenfalls mit lokal- und fachpatriotischem Behagen liest man in der italienischen „Rassegna mensile di Israel" die ständigen Würdigungen unserer heimischen Arbeiten, dann „Heine e l'ebraismo" von G. L. Luzzatto, „II pittore Lesser Ury" von J. Schor, die abenteuerliche Lebensgeschichte eines tunesischen Rabbis vor hundert Jahren von Giorgina Levi. Wie prächtig nimmt sich ein Idyll von Tschernichowski italienisch aus, das Dante Lattes aus dem Hebräischen übertragen hat, wie eigentümlich die italienische Rezension der hebräischen Ausgabe eines Buches von Mussolini. — Daß das Temiisspiel eine orientalische Einrichtung ist und aus altägyptischem Ritus über Arabien, Persien und Nordafrika nach Spanien und Europa kam (unsere moderne Spielart wurde 1873, also nach zwei oder mehr Jahrtausenden, erfunden) und was Rabbi Moses Provencal 1560 zu Mantua über dies Spiel und die Frage, ob man es am Sabbat spielen darf, geschrieben hat, berichtet R. W. Henderson in The Jewish Quarterly Review. Die ungemein wichtige Geschichte der provencalischen Juden ist eins der mit wissenschaftlicher Bedeutung behandelten Themen der Revue des Etudes Juives: H. Chobaut handelt über Les Juifs d'Avignon et du Comtat et la Revolution Francaise, Ad. Cremieux liefert eine Contribution ä l'Histoire de la Vie Economique des Juifs de Comtat. Eine besondere Freude ist die bibliographische Revue der Jerusalemer Bibliothek „Kirjath Sefer", die große Galerie allen Schrifttums, das uns angeht; jedes Buch erhält hier seinen rechten Platz, jedes wesentliche seine entsprechende hebräische Würdigung. Wer hierzulande jüdisch-literarisch oder Wissenschaftlich arbeitet, hat bisweilen eine Art von Platzangst: fernab vom Strom, wie ohne Gehör für draußen und wie ohne Echo von draußen nur noch so vor sich hin zu gehen. Die „Eingänge" beweisen gelegentlich wohltuend, daß dem nicht so ist. L. H. 170