Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1938)
- Article
- Das größere Leben
- Date
- 1938-06-01
- Page
- 130 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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schon dreißig Jahre und konnte ihr nie etwas abkaufen, deshalb bleibe ich auch immer in gemessener Entfernung stehen, um sie nicht zu enttäuschen. Doch die Farbe, der Duft — eine Seligkeit. Wenn ich den größten Park besäße — wer weiß, ob ich solche Gefühle fände?" Wir gingen weiter. Das kleine Leben blieb um mich her. Aber mir war das Tor in ein größeres aufgetan. Georg Hirschfeld Ein Kinderbuch „Du mußt nur Mut haben. Wahrheit hilft immer, wenn sie e'nem auch noch so schwer wird." Mut gehört schon dazu, als Erwachsener ein Kinderbuch zu besprechen; aber wenn dieses Buch zu jenen echten Kinderbüchern gehört, die die Erwachsenen mindestens soviel angehen wie die Kinder, dann wird es leicht, die Wahrheit zu sagen: daß das Buch von Meta Samson „Spatz macht sich" ebenso ergötzlich wie zum Nachdenken anregend ist. Ein kleines Mädchen, das durch die Auswanderung seiner älteren Geschwister „Muttis Einzige" wird, macht kleine Streiche und große Dummheiten; und die Kinder, die es lesen, werden daraus lernen, wie man es macht, um nicht immer so eklig reinzufallen, wenn man mal was ausgefressen hat, daß es am Ende doch immer das Beste ist, Mutti alles zu beichten, und wie man den langweiligsten Tag durch eine noch so kleine Freude, durch e:n gutes Wort, eine hilfreiche Tat retten kann. Die Eltern aber, besonders die Mütter — denn ob wohl Väter das Buch lesen werden, selbst wenn sie so „fabelhaft" sind wie der Vater von Spatzens Freundin? — werden nach aufmerksamer Lektüre sich vielleicht fragen, ob auch ihr Kind in einer Umgebung aufwächst, die seiner Entwicklung zuträglich ist; denn vielen andern Müttern geht es genau so wie Meta Samson, die ihren „Spatz" tagsüber allein lassen muß, um das Notwendige zum Lebensunterhalt zu verdienen. Schade nur, daß Lilli Szkolny mit ihren Illustrationen so sparsam war; man hätte von diesen flotten Zeichnungen gern noch mehr gesehen. (Meta Samson, „Spatz macht sich", Philo-Verlag, Berlin 1938.) E.H. Zwei Bücher aus Frankfurts judischer Vergangenheit Die kleine Monographie „Frankfurter Chanukkaleuchter aus Silber und Zinn"" (Frankfurt a. M. 1937), die die „Gesellschaft zur Erforschung Jüdischer Kunstdenkmäler" als Nr. 34 der „Notizblätter" herausgibt, beschäftigt sich mit einem sehr reizvollen Teilgebiet. Sie geht der Frage nach der kunstgeschichtlichen Stellung, Datierung und Zuschreibung verschiedener Menorot an Frankfurter Meister nach. Die kenntnisreiche Arbeit, für die Hermann Gundersheimer und Guido Schönberger verantwortlich zeichnen, wäre kaum möglich 130