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Der Morgen · 1938-06-01 · Heft 3 (Juni 1938) · p. 112

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 3 (Juni 1938)
Article
Laut und Wort
Date
1938-06-01
Page
112 (sequence 5)
Language
German
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Hugo Slriemer Bewegung dar, so s, z, c (tz). Sie können deshalb auch als Bewegungslaute betrachtet werden. Ständig wiederkehrende Lautverknüpfungen, wie etwa pf, enthält die Tafel nicht, sie lassen sich aber leicht aus ihr deuten. So stellt pf den prallen Raum (p) dar, der sich öffnet und dessen Inhalt frei ausströmt (f). Die Unterschiedlichkeit, die den bisher genannten, differenzierten Lauten eignet, fehlt den Kehllauten; was sie wiedergeben, ist nur grob empfundene Substanz oder Nichtsubstanz, oder es sind Schwingungen. Ein ewiges Fluten findet zwischen diesen „neutralen" Lauten (im Deutschen einem kehligen ch, h, r) und den differenzierten Lauten statt, doch leiten sich diese nicht etwa von den undifferenzierten ab, sondern sind gleichfalls ursprüngliche Laute. Gesetzmäßig und deshalb für uns feststellbar gehen neutrale Laute in differenzierte über und umgekehrt, infolge von Wechselwirkungen, die sich von Mitauf Selbstlaut, von Selbstauf Mitlaut und von Mitauf Mitlaut vollziehen. Die absoluten Lautwerte gewinnt man erst durch Ausschaltung dieser Wechselwirkungen, und diese wieder werden erst verständlich, wenn man die absoluten Lautwerte bestimmt hat. Die reinen Laute im Organismus der Sprache erinnern an die Elemente in der organischen Chemie: all ihre organischen Verbindungen bauen sich, trotz ihrer ungeheuren Mannigfaltigkeit, aus nur wenigen Elementen auf. Es sind zunächst die beiden Hauptgruppen der Ketten- und der Ringverbindungen, weiter in beiden typische Untergruppen, gekennzeichnet durch eine wiederkehrende Verbindung. So bilden sich auch in der Sprache Hauptgruppen aus zwei Konsonanten, „Kerne", aus ihnen durch konsonantische Vor-, Nach- und Einschübe typische Untergruppen. Dazu treten die Vokale, erstlich als Bindungen und Trennungen, dann aber auch gefühlsbetont zum Ausdruck von Zuständen wie namentlich Aktivität und Passivität. Die Lautverbindungen erlauben eine Probe auf die Theorie. Bezeichnen wir alle Einzellaute mit kleinen Buchstaben, die Laute einer Gruppe gemeinschaftlich mit einem großen Buchstaben, setzen wir dabei K für Substanzlaut, P für Raumlaut und R für Bewegungslaut, so erhalten wir folgende Kerngruppen: 1. KR und umgekehrt RK, 2. PR und umgekehrt RP, 3. KP und umgekehrt PK, 4. KK, 5. PP, 6. RR. Diese Formeln bedeuten, an der ersten Kerngruppe erläutert: KR Substanzlaut + Bewegungslaut und RK Bewegungslaut + Substanzlaut. Die erste Konsonantenfolge (KR) stellt eine Beziehung zwischen Substanz und Bewegung dar, die umgekehrte (RK) gleichfalls. Entsprechendes gilt für die fünf andern Kerngruppen. Nun gibt es Substanz-, Raum- und Bewegungslaute in soviel Abstufungen, daß diese sechs Kerngruppen schon überaus zahlreiche Wortkerne einschließen. Die Formel KR beispielsweise steht für Kerne wie nz

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