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Der Morgen · 1938-06-01 · Heft 3 (Juni 1938) · p. 103

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 3 (Juni 1938)
Article
Erinnerung eigenen Lebens
Date
1938-06-01
Page
103 (sequence 2)
Language
German
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Mahaschawi und die Landwirtschaft jetzt. Denn alle müssen wir diesen Abschied vom Vergangenen als einen Tod ansehen und ein Neues beginnen. Darum aber auch scheint mir dieses nicht nur mein Bild, das ich geben wollte — und das ist die andere Rechtfertigunjg meines Unterfangens —, es ist das meiner Familie, eines jüdischen Geschlechtes aus Oberdeutschland; und es ist ein Beispiel der Entwicklung des Lebens vieler meiner Art und ihrer Vorfahren, einer Art, von deren Wesen nicht nur die ganz Außenstehenden nichts wußten, sondern wie wir gesehen haben, selbst viele Juden nicht. Die Bilder vieler Toten, die mir einst teuer waren, stehen am Wege meines Lebens. Wir Geschwister sind nun in alle Welt zerstreut — auch darin ein Beispiel des allgemeinen jüdischen Umgetriebenseins —, und haben doch alle in uns den Trieb zur Seßhaftigkeit, wie nur je in der Geschichte Menschen ihn hatten. Denn niemals sind wir Juden ein Wandervolk gewesen; immer haben wir Ruhe gesucht und Verwurzelung von Anfang an und haben, einmal seßhaft geworden, die Heimat geliebt. M. Y. Ben Gavriel: Mahaschawi und die Zandwirfschaff Der Bürger Mahaschawi wohnt seit einigen Jahren bei uns im Dorf. Er ist ein Mann von quadratischem oder, besser gesagt, von rhomboidem Format, besitzt ein Haus, einen Garten und einen kleinen Sprachfehler, war, bis man es eines Tages durch einen lächerlich kleinen Zufall entdeckte, Mitglied sämtlicher im Dorf existierender Parteien und wußte von Politik trotzdem nicht viel mehr als, sagen wir, die Beduinen, die ihr Zeltlager unten bei den Sümpfen haben, vom Mechanismus eines Traktors wissen. Mahaschawi, der niemals geheiratet hatte, nicht weil er das weibliche Geschlecht oder die Institution der Ehe verachtete, sondern ganz einfach weil die Spesen der Ernährung eines Hausgenossen ihm zum Vorteil der ständigen Anwesenheit eines solchen, von andern Vorteilen gar nicht zu reden, in keinem richtigen Verhältnis zu stehen schienen, — Mahaschawi, sage ich, war trotz Eigenschaften, die ihn zum Bürgermeister wie zum Postboten (den beiden öffentlichen Ämtern des Dorfes) ungeeignet machten, zum Bürgermeister, weil er in seiner abgrundtiefen Abneigung gegen jede Art von Geldausgabe den Ort schnell hätte verhungern lassen, und zum Postboten, weil, infolge seiner ebenso starken Abneigung gegen körperliche Bewegung, die Briefe nur ausnahmsweise ihre Adressaten erreicht hätten, Mahaschawi, meine ich, war trotz gewisser asozialer 103

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