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Der Morgen · 1938-06-01 · Heft 3 (Juni 1938) · p. 100

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 3 (Juni 1938)
Article
Grenzen der Normalisierung
Date
1938-06-01
Page
100 (sequence 8)
Language
German
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Jakob Picard ein wesentlicher Faktor dieser Art. Als Ergebnis der zionistischen Propaganda im Ausland entstand vor allem bei den Jugendlichen oft die Illusion, daß in Palästina Erwerbsquellen im Überfluß vorhanden seien, daß es ein Land sei, „wo Milch und Honig fließt". Und nachdem sie ins Land gekommen waren und mit der Realität zusammenstießen, wurden sie enttäuscht, und selbst, nachdem sie sich eingeordnet hatten, blieb doch eine Verbitterung zurück. All dies mag zur Zurückhaltung vom öffentlichen Leben beigetragen haben. Aber wie dem auch sei: die Tatsache besteht, daß die öffentliche Aktivität in Palästina relativ geringer ist als außerhalb und daß freiwillige Kräfte für allgemeine jüdische Arbeiten hier nicht in dem Maße zur Verfügung stehen wie dort. Wohl ist diese Aktivität in Palästina absolut genommen nicht geringer als bei andern „normalen" Völkern, und es gibt viele Einzel- und Gruppenleistungen, die diese sogar übersteigen. Aber diese Leistungen reichen bei weitem nicht aus für die Bedürfnisse des Jischuw, und breite Schichten, hauptsächlich in den Städten, sind überhaupt gesellschaftlich passiv. Der Fortfall des Druckes von außen und des Strebens nach Normalisierung führt, mit anderen Faktoren zusammen, zu einer Herabminderung der Leistungsfähigkeit der Juden, zu einem Verschwinden der Zusatzleistung, die in den Jahrhunderten der Diaspora für die Existenz der Juden so wichtig war. Diese Erscheinung kann die Existenz und Entwicklungsmöglichkeiten der Juden in Palästina gefährden, wenn nicht beizeiten die Schwäche überwunden wird und der Einsicht weicht, daß die in Wirklichkeit durchaus „anormale" Lage des Landes Zusatzleistungen erst recht erforderlich macht. Jakob Picard: Die Gesidiier Menschen um mich im verrauchten Raumr Verschwommene Masken öffnet den Mund, Enthüllt den immer traurigen Grund Der Seelen aus der Leiden schwerem Traum! Geschminkte Langeweile eurer Züge, Ihr Frauen, zeigt sie mir geduldig vor, Ihr Männer, eures Tagwerks bittre Lüge Steigt aus der Augen Trübe mir empor... Hergewandert seid ihr von Geburt, Vom ersten Lächeln eures Kindermundes Bis jetzt, da Böses immer in euch murrt, Und eure Stimme gellt wie Bellen eines Hundes. 100

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