Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1938)
- Article
- Wahrheit über Zion
- Date
- 1938-05-01
- Page
- 55 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Hugo Striemer: Laut und Wort meine Zion, wenn ich Zion sage. Lemle meint ein politisches Ideal, wenn er Zion sagt. Auch wenn alle die politischen Ideale, die Lemle an Zion knüpft — Normalisierang und Autarkie —, sich nicht erfüllen, würde mir Zion nicht weniger bedeuten. Ich verstehe die alten Juden, die im Mittelalter nach Palästina zogen, um dort zu sterben, und die jungen Juden, die heute dorthin ziehen, um dort zu leben. Ich verstehe die Kreuzfahrer des Mittelalters und die russischen Bauern, die man vor dem Krieg in Jerusalem mit ihren brennenden Kerzen unter Psalmengesang zur Tempelstätte pilgern sah. Ich verstehe die amerikanischen Touristen, die den biblischen Stätten mit dem Baedeker nahe kommen wollen, und die Mohammedaner, die Palästinas tellurische Realität — diesen Stein hier, diesen Berg da — erfassen. Ich verstehe sie alle, denn sie haben alle teil an der Wirklichkeit der heiligen Geschichte, die hier begann und von hier auf die Welt übergriff, um sie immer weiter in sich einzubeziehen. Diese heilige Geschichte bleibt uns Juden in Europa und Amerika, in Afrika, Asien und Australien unsere Geschichte. Hugo Striemer: Laut und Wort Vorbereitung auf eine neue Lehre Wie kommt in der Sprache eine Folge von Lauten zu ihrer Bedeutung als Wort? Viele, die als gereifte Menschen heute wieder Sprachen treiben, mögen dabei — wie der Verfasser — zu einer solchen letzten Frage gelangen. Aber es wäre ein hoffnungsloses Beginnen, rückwärts grabend bis zum Ursprung jedes einzelnen Wortes vordringen zu wollen. Die Etymologie in ihrer bisherigen Form zeigt uns immer nur die Wortgestalt und Wortbedeutung irgendeiner zeitlich früher liegenden Sprachstufe (wie etwa Sanskrit), nicht die Wortgeburt. Eine allgemeine Einsicht in die Vorgänge der Wortentwicklung und Wortentstehung verschaffen uns höchstens die psychologische Sprachwissenschaft oder auch, in seinen geistvollen „Beiträgen zu einer Kritik der Sprache", ein Außenseiter wie Fritz Mauthner. Wer jedoch weiter nach dem letzten Ursprung eines bestimmten Wortes fragt, steht vor verschlossenen Toren. Dabei hätte auch der Verfasser sich bescheiden müssen, wäre ihm nicht als Lehrer des Hebräischen ein genialer Forscher begegnet, Dr. M. Bros er in Berlin, der namentlich mit Hilfe 55