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Der Morgen · 1938-04-01 · Heft 1 (April 1938) · p. 38

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 1 (April 1938)
Article
Die Stunde der Erlösung
Date
1938-04-01
Page
38 (sequence 2)
Language
German
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„Wann kommt die Erlösung für ganz Israel?" Es hat länger gedauert, als Antworten in einem Straßengespräch sonst auf sich warten lassen, bis ich sagen konnnte: „Ich weiß es nicht. Unnd niemand weiß es außer dem Heiligen, Er sei gesegnet." Wenn ich dem Stiefelputzer aus Persien auch keine Antwort zu geben vermochte, in seiner Frage nach der Stunde der Erlösung, die ausging von der Versicherung eines Wissens um die Offenbarung und eines Wohnens an ihrem Orte, wurde mir die Lebbarkeit der jüdischen Forderung an den Menschen bewußt. Schalom Ben-Chorin Alte Bücher Plötzlich sitzen wir alle wieder auf der Schulbank. Wir lernen Englisch und Hebräisch, Spanisch und Portugiesisch. Wir haben unsere alten Schulbücher wieder vorgeholt und repetieren. „This is a book. — Is this a book?" — „I have no money. — Have you any money?" Und so fort. Wir kramen in unseren Bücherschränken nach einem Wörterbuch und — finden keins. „Wir hatten doch aber mal eins", sagt jemand, und Vorwurf klingt aus seiner Stimme. Jawohl, wir hatten eins. Aber nun ist es weg, und wir müssen uns ein neues kaufen. Das heißt, am liebsten wollen wir natürlich ein antiquarisches, das ist billiger. Und nun beginnt also die Suche nach einem antiquarischen Wörterbuch. Ich weiß nicht, ob Sie, lieber Leser, einmal bei den Bouquinisten an der Seine herumgestöbert haben. Und ob Sie die stolze Entdeckerfreude kennen, die den Bücherliebhaber beseelt, wenn er irgendeinen „Fund" gemacht hat. Das Büchersammeln ist eine Liebhaberei, die angenehme Überraschungen bieten kann. Weil man nämlich nie weiß, welch köstlicher Schatz in dem staubigen Durcheinander von alten Schwarten und vergilbten Bänden verborgen sein mag, ebensowenig wie man beim Angeln weiß, welch Goldfisch hinter dem nächsten Felsen hervorgeschossen kommen kann. Ich bin, wie ich gestehen muß, weder Angler noch Bibliophile und kenne weder die lässige Ruhe des einen noch den fröhlichen Optimismus des andern. Aber ich weiß, seit ich meinem Wörterbuch auf der Spur bin, um welch gelehrte Brocken alte Bücher ihre Leser bereichern können. So habe ich aus einem „Vergnüglichen Almauach für Damen" gelernt, den Duft einer Lavendelblüte zu konservieren, ohne daß jemand ihn von dem Duft einer frischen unterscheiden kann, und dank Jonny Pepper weiß ich, daß Myrobolan zur Herstellung bunter Tinten verwendet wird. Ich habe gelesen, daß der ältere Dumas nicht nur der Autor berühmter Romane war, sondern daß die von ihm herausgegebenen Kochbücher durchaus mit diesen rivalisieren konnten, und muß gestehen, daß mir sein Salat aus Romaine, Krebsen, Sardellen, Kerbel und roten Rüben weitaus interessanter erscheint als seine „Drei Musketiere". Erlaubte 38

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