Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 1 (April 1938)
- Article
- Steinchen auf Grabmälern
- Date
- 1938-04-01
- Page
- 34 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Felix Hepner hier des ewigen Lebens. Mit anderen Worten: „Du mögest des ewigen Lebens und der Auferstehung teilhaftig werden!" Genau dasselbe sollen die in das Grab gesteckten Halme bedeuten nach Psalm 72, 16: „Gottes Segen läßt seines Lieblings Glück sprießen wie das Gras aus der Erde." Anstatt Blumenschmuckes, den der Jude gefühlsmäßig ablehnt, legt er somit als Zeichen der herzlichen Verbundenheit mit dem Verstorbenen sein Symbol des ewigen Lebens, einen Stein, auf den Grabstein oder steckt in gleichem Sinne Gras in das Grab. Haben wir hiermit eine Fährte zur Erklärung unseres Brauches aus jüdischem Gedankengut gefunden, so liegt es vielleicht noch im Bereich der Möglichkeit, einmal auch den Weg zu entdecken, auf dem er in das jüdische Brauchtum Eingang gefunden hat. Daß er aus fremdem Kreise stammt, ist daher zu vermuten, daß das ältere jüdische Schrifttum nichts von ihm erwähnt. Scherzhaft sägt man wohl: „Besser Blumen im Leben und Steine aufs Grab als umgekehrt!" Die abessinischen Falascha Im Jahre 1896 wurden in Elephantine eine große Anzahl Papyri gefunden, aus denen zweifelsfrei hervorgehl, daß dort eine größere Judengemeinde gelebt hat: sie hat sich gebildet aus jüdbchen Söldnern, die im Dienst ägyptischer Pharaonen der sogenannten Renaissancezeit (663—523 v. Chr.) zum Schutze der ägyptischen Grenze gegen die Sudanesen verwandt wurden. 586 eroberte Nebukadnezar Jerusalem und zerstörte den Tempel dort. Der jüdische Truppenführer Jochanan ben Koreach entzog sich mit einem Teil seiner Leute der Gefangennahme; unter seinen Schutz wanderte auch der Prophet Jeremia nach Ägypten aus. Es ist anzunehmen, daß diese Kriegsleute auch in die Söldnertruppe eingereiht und nach Elephantine gebracht worden sind. Um 580 wurde in Elephantine ein jüdischer Tempel erbaut. 523 eroberte der Perserkönig Kambyses Ägypten. 522 zerstörten die Perser den ägyptischen Chnumtempel in Elephantine, ließen jedoch den jüdischen Tempel stehen. Juden waren damals dankbare Freunde der Perser, weil diese den nach Babylon exilierten Juden die Rückkehr nach Judäa gestattet hatten. 410 beginnt der Aufstand der Ägypter gegen die persische Herrschaft: die Chnumpriester veranlassen die Aerstörung des jüdischen Tempels in Elephantine. 407 ging von Elephantine eine wörtlich erhaltene Bittschrift der Juden an den persischen Pascha Bagohi nach Jerusalem, in der um eine Geldspende zur Wiedererrichtung des Tempels nachgesucht wurde. Diese Bittschrift blieb unbeantwortet, vermutlich deshalb, weil es nur den einen Tempel in Jerusalem geben durfte. Eine zweite Bittschrift an die Samaritaner fand ebenfalls Kein Gehör. 34