Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 1 (April 1938)
- Article
- Der Zionismus als säkularer Idealismus und als religiöse Bewegung
- Date
- 1938-04-01
- Page
- 8 (sequence 4)
- Language
- German
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lgnaz Maybqum aber tief schöpferische Begegnung mit Europa. Wenn also solche Annäherungen an den abendländischen Idealismus immer möglich und immer notwendig waren, so ist es in manchen Zeiten wichtig, sich auf das zurückzubesinnen, was vor der Annäherung, vor der Symbiose zum Wesen des Jüdischen und zum Wesen des Abendländischen gehörte. Das Wesen der idealistischen Haltung und ihr hoher Adel wird klar, wenn man daran erinnert, daß sie tragische Weltanschauung ist. Mit der Formel, „das Leben ist der Güter höchstes nicht", erweist sich der tragische Held als echter Repräsentant des Idealismus. Die biblische Geschichte von der Bindung Isaaks dagegen, die geladen ist mit tragischer Möglichkeit, hat ein — happy end. Das klingt banal, wenn man den Gesichtspunkt des Idealismus nicht aufgibt. Aber gerade dort, wo der Vorwurf der Banalität erhoben wird, ist der Punkt, an dem die ganze Tiefe der biblischen Erzählung offenkundig werden kann. Daß Abraham die Stimme hört: „Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, den Isaak . . . und bringe ihn . . . zum Opfer", das versteht jeder von der Welt des Idealismus aus, in der die Väter von den Söhnen fordern, sich hinzugeben für das, was mehr ist als das Leben. Zahlreich sind die Altäre der Weltgeschichte, auf denen die .Menschheit aller Zeiten sich in der Gestalt des Soldaten und des Politikers, des Denkers und des Künstlers dem Opfer weiht. Aber von Aufopferung ist nicht mehr die Rede, wenn ich in einer Welt stehe, von der es aufgrund der Weisheit und Barmherzigkeit seines Schöpfers allem Leid und allem Widerspruch zum Trotz heißt „und es sah Gott alles, was er getan hatte und siehe, es war sehr gut". Der Glaube, der in der Bibel sein Dokument hat, ist Verheißung, der Idealismus aber ist ein Glaube ohne Verheißung. In einer gottfernen Welt muß der Mensch selbst die Götter schaffen. Er erzeugt sie im Mythos, er gestaltet sie in der Kunst, er lehrt sie in der Philosophie, und er erlebt seine eigene Gottwerdung in der Apotheose. Der zu den Göttern aufsteigende Held ist die Erfüllung des Idealismus. Die Überwindung des Menschen durch den Menschen, diese tragische Situation ist das Zentrum der idealistischen Welt. Niemals erfährt hier der Mensch, was der Engel Gottes Abraham zuruft: „Jetzt weiß ich, daß du gottesfürchtig bist." Götter-fürchtig ist der Idealist. Er gehorcht ihnen, die von ihm verlangen, was vor Gott nur eine Versuchung, nur eine Prüfung ist. Abraham gehorcht, und der Idealist gehorcht. Aber Abraham steht hier in einer Vollendung, die der Mensch auf seinem Sterbebette besitzt oder der Mensch, der im Raum der Offenbarung steht. Von dieser Vollendung aus wird die Weltgeschichte noch immer ernst genommen, aber so, wie eine Prüfung ernst genommen wird. Für den Idealisten ist aber 8