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Der Morgen · 1938-03-01 · Heft 12 (März 1938) · p. 506

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 12 (März 1938)
Article
Erkel Gawlick
Date
1938-03-01
Page
506 (sequence 4)
Language
German
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Mala Laaser Bis heute hab ich mit dem Kopf gedacht, und nun gilt das gar nichts mehr? Erkel Gawlick, was ist dir geschehn? Gar nichts, dummes Zeug hab ich geträumt — Was denn? — Ja, wenn man das wüßte. Erkel Gawlick, so fängt es an! Der Tod kommt über Nacht im Traum. Hat vielleicht schon angeklopft, steht vielleicht schon vor der Tür. Darum hats dich vordem so gepackt, denk, wie hart es in den Schläfen klopfte. 1000 Kilo. 70 Ballen. Nein, du weichst dir jetzt nicht aus. — Also gut, bin schließlich alt genug. Wahrscheinlich hat die Bohnenmeta recht, eines Tages muß man mit der Seele denken. Man soll bei Gott nicht die Zeit vertrödeln. Ich habe sechsundsiebzig Jahre nicht ein einziges Mal an den Tod gedacht. Gute Jahre waren das. Mitten in der Nacht wird alles anders. Plötzlich denk ich immerfort daran. Man müßte wissen, was die andern tun, wenn sie auf einmal ans Sterben denken. Wahrscheinlich laufen sie zum Advokaten oder zum Doktor oder weiß der Teufel wohin. Manche werden wohl auch beten. . . Das könnte man ja auch versuchen! Erkel Gawlick, was willst du tun! — Beten will ich. — Du kannst ja gar nicht beten, Erkel Gawlick! Ho — was wär denn daran schwer? Man braucht doch nur den Mund dazu. — Nur den Mund? — Gut, auch die Zunge. — Weiter gar nichts? — Doch, man braucht die Angst zum Beten. . . Da fühlt er, daß er sich nicht fürchtet. Und darum kann er auch nicht beten. Markus Gawlick, Jemme Gawlick, Raahle Gawlick, Rüben Gawlick — alle, alle sind gestorben. Gut, der Tod hat angeklopft. Erkel Gawlick, bist du bereit? Sachte! Was sind das für Fragen! Muß man denn Rede und Antwort stehn? Wer mich holen soll, mag kommen. — Erkel Gawlick, bist du bereit? — Nein! Fragt auch noch groß! Niemals ist ein Mensch bereit. Man hat uns beim Kommen nicht gefragt, ob wir bereit sind, und man soll uns auch beim Gehen nicht fragen. Haben wir denn mitzureden? Man hat mich sechsundsiebzig Jahre nicht gefragt, ob ich essen will, ob ich trinken will, ob ich leben will, ob ich Geschäfte machen will. . . Erkel Gawlick, bist du bereit? — Nun versteh* ich — so ist das gemeint. Ob ich — abgeschlossen habe. — Richtig, Erkel Gawlick, ob du abgeschlossen hast. Ob du Schulden hast in dieser Welt. „Meine Bücher sind in Ordnung", denkt Erkel Gawlick, „ich habe nie geborgt und nie verliehen. Ich habe niemals falsch gewogen. Ich habe keinen Menschen um den Lohn betrogen. Wenn es danach geht, bin ich bereit." Es geht nicht danach, Erkel Gawlick! Wir fragen nicht nach Büchern, nicht nach Zahlen. Wir fragen dich, wir fragen dich. . . Da fällt ihm vieles ein, viele Schulden. . . 506

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