Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 12 (März 1938)
- Article
- Gedanken zur Berufswahl
- Date
- 1938-03-01
- Page
- 492 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Gedanken zur Berufswahl Glauben an unser Judentum mit auf den Weg geben. Charakterlich erzogen, im Wissen geschult, beruflich gut vorbereitet und körperlich erstarkt, sollen auch sie verwurzelt in ihrem Judentum, gefestigt und selbstbewußt in ihr neues Leben treten. Nur dann werden sie sich bewähren können und wertvolle Teile unserer Gemeinschaft sein. Man muß erkennen, daß bereits hier die Grundlagen für eine solche Erziehung und Entwicklung gelegt werden müssen, daß hier die Ausbildung in allen Zweigen jüdischen Wissens, die Erlernung eines Berufs und die körperliche Ertüchtigung zumindest einzuleiten sind. Die Erfolge der Mittlerenhachschara berechtigen zu der Erwartung, daß diese Erziehung durchaus realisierbar ist. Man sollte erkennen, daß jede Wanderung nur dann sinnvoll sein kann, wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind. Nur dann kann die jüdische Gesamtheit dieser Wanderung ihre Unterstützung leihen, wenn die jungen Menschen, die in die Welt hinausziehen, unsere Zukunft in sich tragen. Deswegen sollte man ähnlich wie bei der Palästinawanderung dazu übergehen, nur qualifizierten Jugendlichen die Möglichkeit einer Auswanderung zu bieten, eine Auswahl vorzunehmen und nicht, wie es jetzt geschieht, alles dem Zufall zu überlassen. Die Anforderungen müssen zwar den jeweiligen der in Frage kommenden Länder angepaßt sein, aber eine bestimmte Grundlage jüdischen Wissens und beruflicher Qualifikation muß in jedem Falle verlangt werden, zumal die Milieu-Erziehung Palästinas in Übersee fortfällt. Man muß sich dabei vergegenwärtigen, daß nur gut vorbereitete, vor allem beruflich zweckmäßig ausgebildete Menschen der Einwanderung neue Möglichkeiten erschließen, daß aber alle nicht entsprechend vorbereiteten, besonders wenn sie unerwünschte Berufe ausüben, jede N a c h Wanderung erdrosseln. Auch aus diesem Grunde ist zentral geleitete Berufsbeeinflussung und Berufsausbildung aller jüdischen Jugendlichen vom gesamtjüdischen Standpunkt aus eine Notwendigkeit. Es ist an der Zeit, der Berufserziehung die Geltung zu verschaffen, die ihr zukommt, und sich nicht mit der beruflichen Betreuung derjenigen Jugendlichen zu begnügen, die sich freiwillig unserem Ausbildungswerk einordnen. Nur dann wird es gelingen, zu einer sinnvollen Lebensgestaltung unserer jüdischen Jugend beizutragen und aus der Auflösung Kräfte zu neuem Aufbau zu gewinnen. Hardi Swarsensky 492