Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1938)
- Article
- Elegien
- Date
- 1938-02-01
- Page
- 459 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2895450-2895566-2895578-2907915--10362-2907962- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Manfred Stur mann: Elegien III. Die Straßen des Sommers, die stillen vergessenen Gleichen verronnenen Bächen, Wie Spinnenarme liegen sie Um die Brust der Erde. Stumm sind sie, von der Stille belauert, Als hocke das Schicksal zum Sprunge bereit. Straßen bringen Begegnis, Brücken sind sie von Ufer Zu Ufer der Einsamkeit Jetzt aber ist es, als führten sie Drohenden Zielen entgegen, Als münde mit ihnen Der Sommer im Nichts. Tote Straßen sind wie das vergebliche Warten auf eine Liebkosung. Eine Begegnung nur — Und es hübe ein Leuchten an, Herrlicher denn alle Regenbogen Der Versöhnung. IV. Manchmal ist es, als wäre der Tag Ein quälender Traum, du stöhnst Unter dem Alpdruck der Stille. Eingesponnen bist du diesen Sommern Wie einem Netz. Nichts lebt um dich mehr, Nur dein Aufschrei, der ' Tonlos in deinen Händen erstickt. Jetzt an den Herrn glauben, Kindlich sich betten an Sein Vaterherz! Doch du bist eingefangen Wie ein kranker Vogel, Erlahmt ist dein Flug. V. Halte stand, Herz, diesem Ansturm, Gib dich nicht aus, zerbrich nicht Unter der Faust, die dich preßt. Ist es nicht, als hätten die Sommer Tiefe Runen des Leides Ins Antlitz der Erde gezogen? 4Ö9