Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1938)
- Article
- Elegien
- Date
- 1938-02-01
- Page
- 458 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Manfred Stunnann: Elegietl I. In diesen Sommern, wenn die Seele Falb wird wie das schwindende Gras, Und aus den Nächten ein Ängsten aufsteigt, Als atme die Erde nicht mehr — In diesen Sommern, wenn die Tage So lautlos hinschweben über dich Wie die Hände der ersten Geliebten, Die dich an sich nahm — In diesen Sommern ist es nicht gut Durch die Grüfte der Schwermut zu irren. Beladen ist jede Stunde von Not, Es drohen die Tage wie ferne Gewitter. II. Weit wie ein Lebensweg Ist der Weg vom Herzen zur Lippe. Wem gab es die Gottheit zu sagen, Was eingeschlossen ruht, Gehalten von den Krallen der Scham? Worte zerstören wie Hammerschläge Das zarte Gebilde der Seele, Tief in verborgenen Schächten ruht es. Das nährt dich und trägt dich, Mehr als das Licht. Doch der Leib ist nicht schützende Mauer genug, Auch nicht ein Lachen, das falsch ist, Auch nicht der Wille, durch dessen Gerippe, das eherne, ach nur zu oft Ein Weinen hindurchklagt. Ein einziges Wort kann alles zerstören, Mehr als die Zange der Jahre. Was du gebaut, in dich hinein Mit Tränen und Jubeln, Bis es bestand vor dir und blieb — Hingemäht kann es sein wie der Halm Von der Sense, eh' du es ahnst. Dann trägst du Scherben in dir Bis an dein Ende. 458