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Der Morgen · 1938-01-01 · Heft 10 (Januar 1938) · p. 443

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 10 (Januar 1938)
Article
Dem Andenken Jaques Rosenthals
Date
1938-01-01
Page
443 (sequence 4)
Language
German
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hundert Jahren wieder ans Tageslicht! Große Namen tauchten auf: Pierpont Morgan — der Kronprinz — Lenbach — der Papst — der Baron Rothschild — der Kaiser — Ferdinand von Miller — der Kardinal Batti. Aber sie waren nicht das Wesentliche. Das Wesentliche war, was aus den Büchern wurde, daß sie sorgfältig restauriert wurden, daß sie einen ihnen gebührenden Platz bekamen und ihrem Werte gemäß geschätzt wurden. Die jungen Leute, die bei Jacques Rosenthal gelernt haben, sind zum größten Teil selbständige Antiquare von Rang, die in der ganzen Welt verstreut sind, viele von ihnen Autoritäten und Gelehrte. Enkel sind schon im gleichen Beruf tätig. Das Werk des Dahingegangenen lebt weiter und wird bestehen, wo immer humanistischer Geist gepflegt, wo das Buch geliebt und erforscht wird und wo immer Menschen aus der Quelle der Jahrhunderte schöpfen. Gabriella Rosenthal Eve Curie, Maxlame Curie, Bermann-Fischer Verlag, Wien. „Das Leben der großen Forscherin, erzählt von ihrer Tochter", lautet der Untertitel des über 450 Seiten ■starken Buches. Es ist ein document humain, eines jener seltenen Art, das uns große Persönlichkeiten menschlich näher bringt, ohne durch Hervorzerren des Privaten indiskret zu wirken. Während Pierre und Marie Curies ältere Tochter Irene Curie-Ioliot das Werk ihrer berühmten Eltern fortsetzt, beschreibt die jüngere deren konzessionsloses Leben für die Wissenschaft und den Liebesroman zweier bedeutender Menschen. Die Verfasserin verfügt über den warmen Ton, den die töchterliche Nähe ihr eingibt, und über die Kunst, Intimes durch Objektivität zu distanzieren. „Radium" ist gewiß literarisch ein spröder Stoff, aber durch Eve Curie, die Briefe und Aufzeichnungen der Eltern in ihre Darstellung einstreut, erleben wir diese Ehe eines Paares, das sich in der Gemeinsamkeit seiner geistigen Interessen gefunden hatte, so, als hätte ein großer Dichter sie geschaffen oder als läge sie in dichterischen Dokumenten vor — wie etwa bei den Brownings. Madame Curie ist Polin, eine geborene Sklodowska, eine polnische Patriotin im zaristischen Rußland. Diese erste Liebe hat sie nie vergessen, und vor dem Radium hat hat sie eine andere Entdeckung „Polonium" genannt. Um dieser Liebe willen hätte sie auch fast die Werbung ihres Lebensgefährten abgelehnt. Seine Liebe bezwingt sie erst gänzlich, als er Frankreich und seine wissenschaftliche Karriere aufzugeben bereit ist, um ihr nach Polen zu folgen. Dann aber wird sie, ohne dieses Opfer anzunehmen, die beste Mitarbeiterin ihres Mannes. Zäh, wie sie unter Entbehrungen ihr und ihrer Schwester Studium ermöglicht hatte, bewältigt sie in ihrer Ehe mit Ende Zwanzig die Aufgaben der Frau und der Forscherin: im gleichen Jahre, in dem sie ihr erstes Kind bekommt, arbeitet sie an ihrer Dissertation, die zur Entdeckung des Radiums führt. Als ein Unfall des Gatten sie in der Mitte ihres vierten Lebensjahrzehnts zur Witwe macht, ist sie die Erbin seines Werks. Es sind nicht die jüdischen Dinge, die das Buch für uns lesenswert 443

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