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Der Morgen · 1938-01-01 · Heft 10 (Januar 1938) · p. 433

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 10 (Januar 1938)
Article
Eine Geschichte des Religionsgesprächs
Date
1938-01-01
Page
433 (sequence 2)
Language
German
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Eduard Strauß: Eine Geschichte des Religionsgesprächs und Eschatologische abgleitenden — Abschnitt spürt man sehr deutlich, wie Schoeps, trotz immer noch vorhandener Anklänge, sich von seinem Ausgangspunkt der Barthschen Richtung protestantischer Theologie losringt, um in der Gedankensphäre von Martin Buber und Franz Rosenzweig Fuß zu fassen. Ein ,inneres Religionsgespräch" also — und wahrhaftig nicht das uninteressanteste dieses an spannenden und erregenden Momenten reichen Buches! Schoeps weist in seinem Buch in großen Zügen den Gestaltwandel des jüdisch-christlichen Religionsgesprächs auf, und man spürt häufig, daß er selber in dieser Art des Kampfes nicht unerfahren ist. Innerhalb der wechselnden Formen gleichbleibende und stetig wiederkehrende Gedanken herauszuheben, ist offensichtlich der Zweck der Arbeit, die mit der Darstellung des schwierigen Briefwechsels Rosenzweig—Rosenstock, als einer völlig neuen Form des Religionsgesprächs unter dem Zeichen freundschaftlich-menschlicher Nähe, in einer existentiellen Dogmatil: endet. Man würde der recht impulsiven Arbeit unrecht tun, wenn man sich auf Kritik an Einzelheiten, etwa der Darstellung der Paulinischen Lehre, einließe. Eine solche scheinbar unzeitgemäße Betrachtung kann für viele von Nutzen werden, für diejenigen insbesondere, die, wie der Autor selbst, noch ringend auf dem Wege sind. Eduard Strauß IL Um es vorwegzunehmen: dieses Buch, das in großen Zügen den Verlauf des weltzeitlich währenden Gesprächs zwischen Ekklesia und Synagoge schildert und in souveräner Beherrschung beider Religionskreise die Demarkationslinien aufzeigt, ist als das reifste Werk des Theologen und Religionshistorikers Schoeps anzusprechen. Wir könnten die Betrachtung dieser außerordentlich lesenswerten Neuerscheinung mit einem Hinweis auf die formale Wohlgelungenheit beenden, wenn Schoeps nicht im letzten Kapitel seines Buches, „Die jüdische und die christliche Wirklichkeit", selbst einträte in den ewigen Dialog, als Wortführer der Synagoge. Hier erweist er sich als getreuer Jünger Franz Rosenzweigs, und es tut not, einmal vom Standpunkt der systematischen jüdischen Theologie (also dogmatisch) zu der Haltung Rosenzweig—Schoeps gegenüber dem Christentum Stellung zu nehmen. Ausgangspunkt der Schoepsschen Konzeption ist der Briefwechsel zwischen Franz Rosenzweig und Eugen Rosenstock aus dem Jahre 1916 (veröffentlicht als Anhang der „Briefe"') und die im dritten Band von Rosenzweigs „Stern der Erlösung" ausgebaute jüdische Position gegenüber dem Christentum, die als ein unerhörtes Novum im jüdisch-christlichen Gespräch anzusehen ist. Im Mittelalter war die Haltung der Christen und — nolens volens — auch der Juden gegenüber dem jüdisch-christlichen Problem rein kontradiktorisch. Die Wortführer der Ekklesia, beseelt von ungestümem, geradezu kriegerischem Bekehrungsdrang, bestritten der Synagoge jede Existenzberechtigung, und die jüdischen (unfreiwilligen) Apologeten konnten darauf nur mit dem Schriftbeweis der Pseudomessianität Jesu, der Verwerfung der unbiblischen Trinität und dem Vorwurf fälschender Exegese antworten. Die Aufklärung verschob die Gesprächsebene. Aus der streitenden Kirche wurde die werbende, aus dem ausschließlich auf das Wort der 433

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