Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 10 (Januar 1938)
- Article
- Das letzte Kapitel
- Date
- 1938-01-01
- Page
- 416 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Eva Reichmann-Jungmann lernen wir daraus. Was? Man halte es nicht für Hochmut, sondern nur, bitte, für den Wunsch, niemand anders belehren zu wollen, wenn ich von mir spreche: ich möchte lernen, ein Jacob Schiff oder Felix Warburg an Vermögen, Prestige und Hilfstätigkeit zu werden, wenn ich nach Amerika kommen sollte, und verspreche, keine Gruppe zu werden, oder vielmehr keinen Kampf mit andern Gruppen zu kämpfen und vor allem keine Hegemonie zu ergreifen oder mir aus den Händen reißen zu lassen. Aber auch damit ists wie mit all unsern grandiosen Konzeptionen: wenn doch nur die Prämissen da wären! Gruß an Leo Baeck Es mag bedeutsamere Daten im Leben Leo Baecks geben als das, an dem er vor nunmehr 25 Jahren zum Berliner Gemeinderabbiner berufen wurde. Fast scheint uns, als müßten wir sein Bild verkleinern, das längst den Kategorien 'Berlin* und 'Gemeinderabbiner' entwachsen ist, um es einer runden Zahl zuliebe in diesen Rahmen zu zwängen. Und trotzdem grüßen wir den Brauch und danken dem Zufall: denn er läßt uns danken. Über Leo Baecks literarisches Schaffen brauchen wir gerade den Lesern dieser Zeitschrift nicht viel zu sagen. Sie kennen es aus zahlreichen Beiträgen und danken ihm Feststunden des Geistes und der Seele. Aber auch hiermit ist seine Bedeutung so wenig umschrieben wie mit dem Beruf, dessen Jubiläum er soeben begeht, und wie mit jedem der zahllosen Ämter und Ehrenämter, mit denen die jüdische Öffentlichkeit im Laufe der Jahre Last und Ehre auf ihn häufte. Viel eher wird uns seine Gestalt sichtbar, wenn wir uns ihr von den beiden Seiten nähern, die vielleicht die weiteste Spanne seines Wesens bezeichnen: von der offiziellsten und der privatesten. Leo Baeck als repräsentatives Haupt der Judenheit in Deutschland, Präsident seiner Spitzenorganisationen, Inbegriff aller Gemeinschafts Verantwortung und — Leo Baeck als Mensch in seinem Heim, schlicht, gütige liebenswürdig, und von einer tief innerlichen Bescheidenheit, die den Glanz der Weisheit und des Adels auf ihm nur um so heller leuchten läßt. Wir sind, wir Juden in Deutschland, seit die Geschichte uns allzu sichtbar zu ihren Objekten erkoren hat, der geschichtlichen Aspekte müde geworden. Der Mut zum Aufschwung erlahmt, 416