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Der Morgen · 1937-12-01 · Heft 9 (Dezember 1937) · p. 389

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 9 (Dezember 1937)
Article
Aussprache zum Thema: "Ende der Bünde"
Date
1937-12-01
Page
389 (sequence 13)
Language
German
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Aussprache zum Thema: „Ende der Bände" Selbstsicherheit, die sagt: bei uns ist alles in Ordnung, der Bund der andern war schon in der Defensive, als es ihn noch gab, wir geben unseren Menschen das Heimatgefühl, die geistige Heimat, wenn wir auch den schwereren Weg bieten. Sehen wir einmal davon ab, daß es bis vor kurzer Zeit sehr fraglich sein konnte, welches der „schwerere Weg" war, so müßte sich doch gerade heute der zionistische Bundesleiter darüber klar sein, daß eine Gegenposition nicht nur defensiv vertreten zu werden braucht — ganz gleich, ob eine organisatorische Form für sie da ist oder nicht. Was aber das Heimatgefühl anlangt, so sollte es für die zionistisch-organisierte Jugend — schon weil sich über Gefühle wegen ihrer Subjektivität nicht debattieren läßt — gar nicht bestritten werden. Bestritten wurde lediglich, daß dieser neue Versuch einer heimatlichen Bindung bei einer Minderheit als für die jüdische Jugend in Deutschland noch repräsentativ angesehen werden kann. Es ist leider fast unmöglich, die Zahl der jüdischen Jugendlichen in Deutschland korrekt zu schätzen. Deshalb ist auch der Prozentsatz ihrer Erfassung durch die Bünde für ganz Deutschland nicht anzugeben. Symptomatisch ist, daß zwei Großgemeinden nach dem Erscheinen der Aufsätze über die Krise der Bünde zu prüfen begonnen haben, wie sie ihre Jugendpflege in geeignetem Maße ausbauen können, und daß überhaupt eine lebhafte Diskussion eingesetzt hat. Eine solche Aufnahme kann ein Notschrei nicht finden, wenn er nicht einer längst wirkenden Entwicklung Ausdruck gibt. Man verkennt die Gesinnung und die Funktion der Jugendpflege, wenn man sich so heftig gegen sie wehrt, wie Gochsheimer und Swarsensky es tun. Und vielleicht ist bei ihnen ein wenig von den alten Ressentiments der Jugendbewegung gegen die Jugendpflege für ihre Haltung entscheidend. Mir aber scheint eines entscheidend zu sein: der überwiegende Teil der jüdischen Jugend ist von den Bünden nicht erfaßt, sie haben nicht gehalten, was man sich von ihnen versprach. Die äußeren Umstände mögen das mit sich gebracht haben, aber gerade sie bringen auch die Gefahr der Verwilderung und der Verwahrlosung für die nicht Erfaßten mit sich, eine Entwicklung, in der wir uns bereits befinden. Es muß etwas dagegen geschehen. Jedes Mittel, dieser Gefahr zu begegnen, ist recht, denn es geht um mehr als um Einzelbelange, weil es um die Erhaltung einer ganzen Generation geht. Es geht nicht an, doktrinär darauf zu bestehen, daß Erziehung nur von einer bestimmten Haltung aus geschehen kann, wenn doch in Wirklichkeit mit ihr nicht erzogen wird. Die Gefahr ist geschildert worden, und sie wird in immer weiteren Kreisen erkannt. Mehr, als die Bünde zur Mitarbeit an ihrer Bekämpfung auch über den eignen Kreis hinaus auffordern, kann man nicht tun. 389

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