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Der Morgen · 1937-12-01 · Heft 9 (Dezember 1937) · p. 378

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 9 (Dezember 1937)
Article
Aussprache zum Thema: "Ende der Bünde"
Date
1937-12-01
Page
378 (sequence 2)
Language
German
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Heinz Gochsheimer sehen Bevölkerungszahl in Berlin auf die Mitgliederziffern der Bünde zu schließen. Damit soll nicht gesagt sein, daß wir auf konstruktive Kritik verzichten dürfen und daß keine Veranlassung zur Besorgnis vorliegt. Es gibt tatsächlich Krisenzeichen in der jüdischen Jugendbewegung. Sie liegen jedoch auf einer völlig anderen Ebene. Die von Günter Friedländer neben der „Austrittsbewegung" weiter vermerkten Symptome der Frühreife, der Genußsucht und der Haltlosigkeit sind gerade bei der bündischen Jugend kaum zu finden. Hier überträgt er Gefahrenzeichen v der nichtorganisierten jüdischen Jugend auf die jüdische Jugend der Bünde, die eben diese Erscheinungen für ihre Menschen mit Erfolg zu überwinden vermag. Es ist ferner nicht richtig, daß der „Nimbus, der die Bünde umgab, zerstört" ist und ihnen somit die Wirksamkeit beschnitten wäre. Wir stellen fest: es gibt keine Austrittsbewegung, aber es gibt — manche sagen: zum Glück — auch keinen stürmischen Zugang mehr; vor allem — und das ist das alarmierende — es gibt keinen echten Kampf der Bünde um neue wertvolle Menschen und es gibt nicht genug Ringen der jugendlichen Menschen um sich selbst. Die Diagnose Das Ergebnis sei vorweggenommen. Der Körper der jüdischen Jugendbewegung ist nicht krank, geschweige denn im Todeskampfe; wohl aber ist es wahr, daß die vorhandenen physischen und psychischen Kraftreserven derzeit nicht ausreichen, um ein anhaltendes kräftiges Wachstum zu erzeugen. Woher kann einer Jugend Kraft erwachsen? Wie logische Erwägung und geschichtliche Vergleiche erweisen, stets nur aus dem Vorbild: aus dem positiven Vorbild, das zur Nachahmung anspornt, ebenso wie aus dem negativen, das zur Warnung dient und zeigt, wie man es nicht machen kann und will. Gibt es positive Vorbilder für die jüdische Jugend von 1937? Die Judenheit in Deutschland vermag in ihrer heutigen Verfassung gewiß kein positives Vorbild für den Gestaltungswillen einer Jugend abzugeben. Blättern wir in der Nummer des „Morgen", die den hier behandelten Aufsatz Friedländers enthält, nur eine Seite weiter, so stoßen wir auf die Feststellung Berthold Weinbergs: „Rückkehr zum Judentum lautet seit 1933 die Parole, die die Zeitungen und Versammlungssäle beherrscht. Und heute sind wir soweit, festzustellen, es habe sich wenig geändert, die große seelische Umwälzung sei nach anfänglicher Aufbruchsstimmung ausgeblieben." Diese richtige Feststellung muß dahin ergänzt werden, daß dort, wo von einem echten und umwälzenden Aufbruch in Rieh* 378

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