Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1937)
- Article
- Die Ideen des Crassus
- Date
- 1937-12-01
- Page
- 374 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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M. Y. Ben-Gavriel: Die Ideen des Crassus Änderung im System der Feuerlöscharbeiten ein. Wohl traf die Brandwache stets zur richtigen Zeit ein, aber sie stand müßig vor dem brennenden Haus, während die beiden Herren aus dem Gefolge des Crassus es fachmännisch umstrichen. Ungehört verhallte das Wehklagen des Besitzers des Brandhauses, und vergeblich flehte er den Crassus an, sein Eigentum zu retten. Erst wenn die beiden wenig vertrauenswert aussehenden Männer dem Crassus mitgeteilt hatten, wieviel das Brandobjekt wert sei und nachdem er die Hälfte dieses Wertes subtrahiert hatte, schritten die Sklaven an die Arbeit. Bald aber erhob Crassus die Hand, der Wasserstrahl versiegte und er sprach zum Besitzer des Hauses: „Siehe, dein Haus ist in diesem Augenblick noch so und so viel wert. Ich kaufe dir diese halbe Ruine um den und den Preis ab, denn ich bin ein Wohltäter. Mit jedem Augenblick aber, den du zögerst, senkt sich der Preis, in dem Verhältnis, wie die Flammen sich ausbreiten." Diese Argumentation konnte um so weniger ihre Wirkung verfehlen, als keine Hand zur Rettung sich rührte, ehe der unglückliche Hausbesitzer nicht Anstalten machte, mit einer Bestätigung über eine lächerlich geringe Summe herauszurücken. War dies aber geschehen, dann — o ihr Götter! — dann übertrafen der Parther und seine Mannschaft sich selbst, und die Flammen waren im Nu erstickt. Crassus aber besaß ein neues Wertobjekt, gekauft um ein Zehntel des Wertes und für ein weiteres Zehntel zu neuer Schönheit und erhöhtem Wert restauriert. Das Geschäft blühte wie die Bohnen im Mai, als ein Syrer dem Crassus eine neue Idee verkauft hatte, die sein Geschäft verdreifachte. Wenn nun ein Brand ausbrach und Crassus das Haus gekauft hatte, stellten die Sklaven nach kurzer Zeit ihre Arbeit wieder ein und der Exlegat wandte sich an die Besitzer der beiden Nachbarhäuser mit folgenden Worten: „O ihr Besitzer der Nachbarhäuser, seht, die Götter wollten es, daß meine Sklaven schnell ermüden. Leider stehen eure Häuser in höchster Gefahr, gleichfalls von den Flammen ergriffen zu werden. Wollt ihr also noch etwas von eurem Vermögen retten, so verkauft mir eure Häuser, denn ich, Marcus Licinius Crassus, bin der Wohltäter dieser Stadt. Mit jedem Augenblick aber, den ihr zögert, senkt sich der Preis in dem Verhältnis, wie die Flammen sich ausbreiten." Diese Argumentation verfehlte selten ihre Wirkung, so daß von nun an jeder Brand dem Crassus zumindest drei leicht wieder verkäufliche Häuser einbrachte, und zwar zu einem Preis, für den man nicht einmal einen Stall in den pontinischen Sümpfen hätte erwerben können. Dies aber war die letzte der guten Ideen, die dem reichsten Mann Roms zur Verfügung standen. 374