Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1937-11-01 · Heft 8 (November 1937) · p. 349

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 8 (November 1937)
Article
Constantin Brunner und seine Zeitgenossen
Date
1937-11-01
Page
349 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2895450-2895566-2895575-2907677--10189-2907739
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Constantin Brunner und seine Zeitgenossen nicht alle bedrohten Juden aufnehmende noch ihre Sicherheit garantierende Heimstätte. Von der nationalen Heimstätte ist zu sagen, daß Brunner gegen die Heimstätte nichts, gegen die nationale alles einzuwenden hatte. Seine Gegnerschaft galt der zionistischen Theorie, der nationalistischen Ideologie, die wie jede solche, mit Begriffen operieren muß, die dem Logiker der kritischen Vernunft widerstreben. — Mystik ist eine Skepsis mit umgekehrten Vorzeichen. Brunner, sprachmächtiger als Mauthner, kritisiert Sprache und Begriffsbildung mit nicht minderer Schärfe, erkennt aber zwischen Denken und Dingen einen Parallelismus an, der die Anwendung des abstrakten Denkens auf die Grunderfahrung zuläßt. Also keine Spur von Resignation, und überhaupt ist ihm die Erkenntnis des Wesens der Sprache, des Denkens und der Dinge nur eine Voraussetzung. An der Positivität des Grundes, der Grunderfahrung, ist kein Zweifel, und „Pessimismus ist keine Philosophie". — Wenn Mauthner den herrschenden Mächten seiner Zeit nur selten leidenschaftlich ablehnend begegnete, wenn er sich besonders im Kriege mit ihnen identifizierte, so mag man darin einen Bruch, eine Inkonsequenz finden; Brunners Ansichten vom Staat können bis zu Hegel und Spinoza zurückverfolgt werden, seine Heldenverehrung etwa gegenüber Friedrich II. zu seiner Lehre von den Geistigen und dem Volke stimmend, sein Verhältnis zu Walther Rathenau dem Spinozas zu de Witt entsprechend dargestellt werden. Gleichwohl erscheint hier sein Rechnen mit Realitäten matt, nicht unbedingt überzeugend, wenngleich „richtig", als ein Vorliebnehmen mit dem kleineren Übel. Der Verteidiger stutzt. Aus dem Hintergrund, aber man kann nicht sagen wo, ertönt ein Gelächter, wie man es in Palästina und anderswo seit Olims Zeiten nicht mehr gehört hat. Zunächst erschrecken die Zuhörer, der Ankläger sieht sich wütend um und der Vorsitzende will zur Ordnung rufen. Aber das Lachen wird immer lauter und wirkt ansteckend, und dazwischen hört man wie herausgeprustet die Schlagworte des Verhandlungstages und endlich nichts mehr als das unbändige, alle dumme Wörtlichkeit der Worte übertäubende Lachen. . . Sehen Sie, sagt einer der Zeugen, man versteht ihn sehr gut. — Aber auch dieses Zeugnis ging im Lachen unter. Das Oktoberheft enihieli u. a.: Werner Cahnmann, Zwischen den Konferenzen / Günter Friedländer, Das Ende der Bünde / Hanns Reißner,Auswanderung - hundert Jahre später / MalaLaaser, Der Schuhkarton / Berthold Weinberg, Zum Glaubensproblem in der Gegenwart | Erich Loewenthal, Eine Märchennovelle | Hans Bach, Der Peel-Bericht Im Dezemberheft schreiben u. a.: Oskar Guttmann, Wie schaffen wir eine jüdische Musik? | Hilde Oiienheimer, Aschkenasim und Sefardim als jüdische Typen / S. Rabinowitz, Jiddische Lyrik 349

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.