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Der Morgen · 1937-11-01 · Heft 8 (November 1937) · p. 317

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 8 (November 1937)
Article
Einwanderung nach Amerika
Date
1937-11-01
Page
317 (sequence 1)
Language
German
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Carl Landauer (Kalifornien): Einwanderung nach Amerika Das Problem Amerika hat eine wichtige Beziehung zur modernen jüdischen Geschichte; in unseren Tagen ist es für viele jüdische Menschen aus Deutschland auch wieder zum persönlichen Problem geworden. Trotz aller Visumschwierigkeiten sind die Vereinigten Staaten neben Palästina noch immer das wichtigste Land in der Reihe der Auswanderungsziele. Wer die jüdische Situation in der Welt zu erkennen strebt, muß Amerika verstehen, und ebenso unentbehrlich ist dieses Verstehen für einen höchst wichtigen Teil der Auswandererberatung und Ausvvandererschulung. Man kann nicht sagen, daß bisher die jüdischen Organisationen dieser Aufgabe voll gerecht geworden wären. Das ist nicht ihre Schuld. Amerika ist ein in Europa zwar nicht unbekanntes, aber mißverstandenes Land. Seit Jahrzehnten wetteifern Europäer und Amerikaner darin, der europäischen Öffentlichkeit ein unwahres Bild des Amerikanertums zu entwerfen. Nicht als ob alle Züge in diesem Bild unrichtig wären; aber einseitige Herausarbeitung von Teilwahrheiten kann ebenso irreführen wie völlig falsche Feststellungen. Daß die jüdische Auswandererberatung diese alten Irrtümer nun mit einem Schlag ausrotten oder auch nur selbst ganz frei davon sein soll, wer wollte das verlangen? Und doch hängt viel davon ab, daß wenigstens einige falsche Vorstellungen berichtigt werden. Denn mehr als anderswo liegen in Amerika die Schwierigkeiten des Einwanderers im Geistigen und Seelischen, und sind also durch Kenntnis und Verständnis zu mildern. Wer nach Amerika auswandert, muß sich vor allem einmal klarmachen, was die Größe des Landes bedeutet. Jeder hat davon gehört, daß Amerika „standardisiert" oder „uniform" sei; es ist gewiß in dem Sinn richtig, daß auf gleichem Raum in Europa eine sehr viel größere Verschiedenheit von Kulturen besteht; das bedingen schon die staatlichen Grenzen und die Sprachverschiedenheit. Aber auch die Unterschiede etwa zwischen New York, New Orleans und San Francisco sind groß, und noch größer die zwischen dem Leben auf einer Weizenfarm, einer Vieh-„ranch" und in der Großstadt. Schon praktisch gibt es daher Ratschläge für Auswanderer nach Amerika schlechthin so wenig, wie man jemandem sagen könnte, was er in Deutschland braucht, ohne zu wissen, ob er nach Berlin oder auf einen bayerischen Bauernhof ziehen will. In einem Appartment in New York wird leicht jedes nicht dringend benötigte Stück 317

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