Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 7 (Oktober 1937)
- Article
- Zum Abschluß der neuen Berliner Bibel [Rezension]
- Date
- 1937-10-01
- Page
- 308 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2895450-2895566-2895574-2907599--10128-2907659- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
schttng und kann mit dem „Buch der Preisungen" von Buber in der Leidenschaft, das Original und nur das Original wieder hervorzubringen, nicht verglichen werden. An eine neue deutsche Psalmen-Übertragung dürfen nur die höchsten Maßstäbe angelegt werden. Die vier Bände der „Berliner Bibel", in den Jahren 1934—37 der Öffentlichkeit übergeben, sind ein eindringliches Zeitdokument, das für sich spricht und weit über diese Jahre hinaus, mehr als alle „Deduktionen" und Beweisführungen direkter oder indirekter Art, ein Denkmal jüdischer Umbildungs-und Erhaltungskraft in der Diaspora bleibt. Weitaus die meisten Juden bei uns bedürfen auch heute noch dieser „Krücke", um die Heilige Schrift in der Ursprache zu bewältigen. Gerade die „Kerubim" sind auch guten Kennern der hebräischen Sprache und früherer Teile der hebräischen Bibel schwer zugänglich. Der vierte Band der Torczyner-Bibel ist ein unentbehrliches Hilfsmittel, um uns in die Schönheiten des Buches Ruth oder der Psalmen, oder gar in das Wunderwerk des Buches Hiob oder des Hohen Lieds, so zu versenken, daß wir Welt und Gegenwart darüber vergessen. Ludwig Feuchtwanger Komfort Liquidation ist eine peinliche Sache, auch für die Dinge, allerlei Gerät wird überflüssig, das verschwiegen und bescheiden seine Dienste geleistet hat, aus langer Benützung vertraut, kaum je mit Bewußtsein angesehen. Nun steht es sinnlos herum und wartet, ob es irgendwo wieder in Dienst genommen werden oder langsam verstauben und verrosten wird. Selbst Synagoge und Friedhof, die unveräußerlichen Immobilien jüdischen Lebens, geraten in Bewegung. Eines Tages steht in der jüdischen Presse folgende Anzeige: „Almemor und Leichenwagen mit Patent-Schmier- Achsen zu verkaufen. Der Vorsteher der Gemeinde zu Xbach." Was haben Patent-Schmier-Achsen für euien Sinn? Soll das Gemeindemitglied zu Xbach es wenigstens auf seiner letzten Fahrt noch einmal gut gehabt haben, nachdem es sich fünfzig und mehr Jahre auf dem holprigen Pflaster von Xbach müde gelaufen hat? Sollte das Gemeindemitglied auf dieser letzten Fahrt die harten Stöße des Kopfstein-Pflasters nicht spüren und die scharfe Wendung nicht merken, wenn der Totenwagen von dem grundlos aufgeweichten Feldweg in den Friedhof einschwenkt. Nein, dafür braucht man besondere Federn, nicht Spezial-Achsen. Patent-Schmier-Achsen erleichtern dem Toten nichts, nur den Lebenden. Der Wagen ist, wenn er auch lange unbenutzt gestanden hat, schnell fahrbereit: man braucht nicht erst den Wagen hochzubocken, die Räder zu lockern, um zwischen die Achse und die Buchse schwarzes Fett zu schmieren. Diese Spezial¬ Achsen sind nur dazu da, schnell und wenig umständlich mit dem Tod fertig zu werden. Mit Hilfe der Technik das Leben so einzurichten, daß alles schnell 308