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Der Morgen · 1937-10-01 · Heft 7 (Oktober 1937) · p. 293

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 7 (Oktober 1937)
Article
Der Schuhkarton
Date
1937-10-01
Page
293 (sequence 1)
Language
German
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Mala haaser: Der Schuhkarton anteil von nur noch einem Viertel- Jacob Reisners sechs Enkelkinder dagegen sind ausnahmslos jüdisch. So sieht eine Wanderung aus, wenn man sie hundert Jahre später betrachtet! Die räumliche, berufliche und geistige Einheit der wandernden Familie, die am Ursprung stand, ist zerstört, und es bedarf eifriger Forschungs- und Sammelarbeit, um sie rückschauend zu rekonstruieren. Und dabei ist der Schauplatz des Geschehens so eng umgrenzt! Wenige Autostunden verbinden den Ausgangspunkt der Wanderung Neustadt mit dem Kristallisationskern Seelow und dem heutigen Berlin. Geistig freilich ist der zurückgelegte Raum so weit gleichsam wie von einer Sonne zu ihrem Trabantenstern, der doch aus ihr hervorgegangen ist. Über der ostelbischen Landschaft scheint die gleiche Sonne wie vordem, doch die Menschen, die sie sieht, sind nicht mehr die gleichen. Den Lebenden aber bleibt die Frage, ob es Gottes Wille ist, der die Menschen so bewegt hat, oder ob es die Willensfreiheit der einzelnen war, die es besser zu wissen meinten als ihre Väter. Welches wird das Schicksal der Heutigen sein, wenn nach hundert Jahren ein Nachfahre es unternehmen wird, ihre Wanderwege nachzuzeichnen? Welchen Anruf werden sie erfahren, wenn sie einstmals wieder den Sinn des Auf und Nieder zu erforschen suchen werden? Man möchte sie die Gottesgewißheit ihres Ahnen Raschi wieder lehren können, der an einer Stelle seines Torakommentars erklärt (zu Deut. 33, 3): „Auch wenn Du den Völkern Gutes erweist, auch wenn Du . . . Israel in ihre Hand gibst; so sind doch alle seine (Israels) Heiligen in Deiner Hand . . . und Du behütest sie; sie empfangen Deine Worte, nehmen Deine Verhängnisse und Deine Gesetze voll Liebe auf sich, und das sind ihre Worte: die Lehre, die Mose uns befohlen, sie ist das Erbgut der Gemeinde Jakobs, wir halten an ihr fest und geben sie nicht preis!" MalaLaaser: Der ScflUflkartOtl Am 29. September bekam ich mit der Frühpost eine Karte und einen unfrankierten Brief. Die Karte war vom Jaköppchen, der übliche Notschrei zum Monatsende. Ach, lieber Jakopp, ich hab' genau noch 3 Mark 75. Das weiß er ja, aber er weiß auch, daß man mir selten vergebens eine Not-Postkarte schreibt. Mag er also kommen, wie gewöhnlich. Der unfrankierte Brief hingegen war von Lise. Ich entrichte immer gern auf Lises unfrankierte Briefe das Strafporto, denn ich kenne Lises Empfindsamkeit in Geldgeschichten. Überhaupt unterscheide ich grundsätzlich zwei Arten von Bekannten: die einen haben „nischt" 293

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