Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 7 (Oktober 1937)
- Article
- Zwischen den Konferenzen
- Date
- 1937-10-01
- Page
- 271 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Zwischen den Konferenzen schlage von Magnes und die ihnen nahekommenden, die Lord Samuel kurz vorher im englischen Oberhaus gemacht hatte, hierdurch nicht berührt. Der Gedankengang war der: solange man von „Endlösung" spricht, kann die Brücke über den Abgrund nicht geschlagen werden. Aber ein Provisorium für die nächsten fünf oder zehn Jahre möchte — vielleicht — zu erreichen sein, weil innerhalb eines solchen begrenzten Zeitraumes die Juden ohnehin die Mehrheit nicht erlangen werden und insoweit also auch, ohne sich etwas zu vergeben, auf sie verzichten können. Bilden sie nach Ablauf dieser Zeit beispielsweise 40% der Gesamtbevölkerung, so ist ihre Zahl inzwischen um mehrere hunderttausend Menschen angewachsen, und ihre Konzentration in einigen Landesteilen hat das Gewicht ihres Einflusses bei einer bis dahin hinausgeschobenen endgültigen Bereinigung verstärkt. Der Plan ist klug gedacht und hat die schroffe Abweisung, die Professor Brodetsky ihm zuteil werden ließ, gewiß nicht verdient. Aber er scheitert, wie man an eben dieser Abweisung sieht, an den Imponderabilien. Die Zionisten von Weizmann bis Ussischkin lehnen es ab, ihn zur Grundlage der Diskussion zu machen, und so entfällt bedauerlicherweise die Möglichkeit nachzuprüfen, ob die Araber darauf eingehen würden. So bleibt es also bei der Teilung. Es bleibt, während die Völkerbundsinstanzen in wohlwollend zögernder Reservestellung verharren, bei der Entschlossenheit Englands, die, wie man glaubt, einzige Chance des Friedens, die der Teilungsplan darstelle, nicht fahren zu lassen. Aber ist er wirklich eine Chance des Friedens? England glaubt, daß weitere jüdische Einwanderung unter Fortdauer des Mandatsregimes nur bei Gewaltanwendung zu ermöglichen sei und lehnt diese Alternative ab. Wird man aber die Teilung angesichts des sich immer mehr versteifenden Widerstands aller Araber, auch der außerhalb Palästinas wohnenden, ohne Gewaltanwendung durchsetzen können? Wird England diese Alternative auf sich nehmen? Oder haben die Schüsse von Nazareth seine Geduld mit dem arabischen Terror endgültig erschöpft? Das sind Fragen, die bald beantwortet werden müssen, denn die wirtschaftliche Kraft des Jischuw ist schon 271