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Der Morgen · 1937-09-01 · Heft 6 (September 1937) · p. 236

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 6 (September 1937)
Article
Ein verlorener Bruderstamm?
Date
1937-09-01
Page
236 (sequence 2)
Language
German
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Meto Brinkmann kommen eines nomadisierenden Semitenvolkes, dem auch die Hirtenstämme der ältesten Hebräer angehörten. Die heutigen Massai sind ein Mischvolk. Hoch und schlank gewachsen, schokoladenbraun, aber vom Negertyp deutlich abstechend. Die Schädel dolichokephal, die Lippen nie wulstig, die Haare kaum gekräuselt. Sie leben unter einem geistlichen Häuptling, einer Art Patriarch mit dem Titel ol oiboni, den auch die verwandten Stämme der Wakuafi und der Asa als ihr Oberhaupt anerkennen. „Nirgends zeigt sich bei einem Vergleich der Ethnographie der Massai mit derjenigen der benachbarten Völker eine so tiefe Kluft wie auf dem Felde der religiösen Anschauungen. In schroffem Gegensatz zu der Anbetung abgeschiedener Menschengeister und dem Polydämonismus der Neger steht der einfache, schlichte Monotheismus der Massai." Ihr Gott heißt Ng ai. Er ist ein körperloses Wesen. Über sein Aussehen denken sie nicht nach. Die Anfertigung bildlicher oder figürlicher Darstellungen ihres Gottes wäre den Massai eine schwere Sünde. Ng ai ist der Schöpfer der Welt Darüber haben die Massai, die Wakuafi und die Asa eine bei den Priestern aller Stämme gleiche, sorgfältig gehütete Überlieferung: Im Anfang war die Erde eine dürre Wüste, in der ein Drache namens Nenaunir hauste. Da stieg Ng ai vom Himmel herab. Er kämpfte gegen den Drachen und besiegte ihn1). Nach Tötung des Ungeheuers schuf Ng ai durch sein Schöpferwort Sonne, Mond, Sterne, Pflanzen und Tiere und zuletzt ein Menschenpaar, Mailumbe und Naiterogob, die sich beide im Paradiese, nämlich da, wo das Ungeheuer getötet war, begegneten. Ng ai sprach zu den Menschen: Von allen Früchten sollt ihr essen. Sie seien eure Nahrung. Nur von den Früchten des Baumes ol olai, der dort steht, sollt ihr nicht essen. Eines Tages kam Ng ai wieder einmal zur Erde herab. Er rief zunächst vergeblich nach den Menschen; denn sie hatten sich versteckt in den Büschen. Als Ng ai sie dort gewahrte, rief er sie hervor. Ng ai fragte, warum sich die Menschen versteckt hätten. Maitumbe antwortete: Wir schämen uns, weil wir Böses getan und deinem Befehl nicht gehorcht haben. Wir haben von den Früchten des Baumes gegessen. Die Naiterogob gab mir davon. Und Naiterogob sagte: Die dreiköpfige Schlange kam zu mir und sagte, durch den Genuß jener Früchte würden wir dir gleich werden und allmächtig wie du. Ng ai war darüber zornig und sprach zu den Menschen: Weil ihr mir nicht gehorcht habt, werdet ihr das Paradies verlassen. Und zur Schlange gewendet fuhr er fort: Und du sollst zur Strafe in Erdlöchern wohnen. *) Auch in der jüdischen Überlieferung gibt es die Vorstellung, nach der Gott im Gegensatz zur Schöpfungsgeschichte der Genesis den Drachen Rahb oder Leviatan getötet hat. Im 74. und 89. Psalm, in Jesaia 51 und im Buch Hiob tritt diese Auffassung hervor. 236

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