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Der Morgen · 1937-09-01 · Heft 6 (September 1937) · p. 235

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 6 (September 1937)
Article
Dogmen im Judentum?
Date
1937-09-01
Page
235 (sequence 8)
Language
German
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Meto. Brinkmann: Ein verlorener Bruderstamm? geübt wird. Uns fehlt das religiöse Weltbild. Wir hatten es, aber es ist uns verloren gegangen. Religionsphilosophie, Kabbala, Chassidismus sind Gedankensysteme, die das Gesetz trugen. Wir brauchen das Dogma. Aber geschaffen werden kann es nur von der Kraft der Emuna. Wir brauchen, um das legitime jüdische Wort sprechen und um wirklich zu den mannigfachen Problemen der jüdischen Gegenwart Stellung nehmen zu können, echte jüdische Gläubigkeit, tiefe Wiedereinwurzelung in den Boden der Emuna. Gibt es einen Weg hierzu? Das „ani maamin" des Rambam ist Dogma, aber wirklich populär geworden ist nur die dichterisch-liturgische Bearbeitung dieser dreizehn Ikkarim, die wir als „Jigdal" aus dem Siddur kennen. Das Jigdal ist nicht mehr Dogma, sondern Emuna. Es spricht in der Wir-form der betenden Gemeinde, es hat die Form des Lobpreises, es ist Ausdruck der Emuna. Diese Rückverwandelung des Dogmas in Emuna ist von symbolkräftiger Bedeutung. Sie bezeichnet den Weg zum jüdischen Glauben, der von der Peripherie ins Zentrum führt. Man kann von außen an das Judentum herantreten und findet dann das Dogma. Man wisse aber: dieses Dogma steht nicht in starrer Objektivität und Isolierung wie eine platonische Idee, sondern es hat seine Keimkräfte in der religiösen Haltung der gläubigen, von der Tora erzogenen Gemeinde. Wir sind in der Lage, das Dogma zu verstehen, weil es religionsgeschichtlich gewachsen ist. Im geistigen Mitvollziehen der religiösen Denkakte, mit denen die Gemeinde auf die Umwelt reagierte, geraten wir unversehens in die Daseinshaltung dieser Gemeinde. Die religionsgeschichtliche Interpretation erschließt uns die Seele des Dogmas, die Emuna. Religionsgeschichte kann so vielleicht ein Weg zum Glauben werden, der sich dann allerdings nur in der religiösen Wirklichkeit selbst entfalten kann. Meta Brinkmann: Ein verlorener Bruderstamm? Die Einsicht der modernen Ethnologie, daß Völkerwanderungen nicht ganze Völker, sondern zumeist nur Teilstämme von einigen Hundertschaften an andere Orte verpflanzen, läßt eine ältere Forschung im neuen Lichte erscheinen. Im Jahre 1904 veröffentlichte der Hauptmann der deutschen Schutztrupppe M. Merker ein Werk über die Massai, in dem mit religionsvergleichendem, philologischem und anthropologischem Beweismaterial die These aufgestellt wurde, die Massai seien die Nach- 235

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