Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 5 (August 1937)
- Article
- Maestro Calo
- Date
- 1937-08-01
- Page
- 215 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Maestro Calo Vor 6i5 Jahren teils in gereimter, teils in reiner Prosa niedergeschrieben, ist der „Ewen Bochan" so gegenwartsnah wie kaum eine andere Dichtung der neuhebräischen Literatur. In Neapel erschien im Jahre i48a die erste Druckausgabe; in deutscher Sprache besitzen wir nur die Übertragung Meiseis, die in der Form der Verbesserung bedarf. Als Kalonymos nach Rom kam, halte er den „Ewen Bochan" bereits vollendet. Im Kreise seiner Freunde wird er daraus vorgelesen haben, und das hohe Lob, das Manoello ihm als Dichter spendete, ist gewiß auf dieses Werk zurückzuführen. Von der bitteren Satire lenkte Kalonymos bald seine Feder zur heiteren Parodie. Der Umgang mit dem geistreichen und witzigen Manoello befruchtete sein dichterische« Schaffen, und es entstand der übermütige „Purimtraktat", in dem Kalonymos einem derben Humor die Zügel schießen läßt. Auch hier greift er zuerst wieder sich selbst an, dann die Lehrart und den Gedankengang des Talmuds mit seinen ausgeklügelten pilpulistischen Erörterungen. Auch über die italienischen Rabbinen, über prominente Gemeindemitglieder wie Jechiel den Fetten samt Söhnen, den Vorsteher Schabtai, dessen Frau (eine Kardinalstochter!) die guten Speisen für Purim schon zwei Wochen vorher anrichtet, den Arzt Hille! und andere Persönlichkeiten, die unter erdichteten Namen eingeführt werden, ergießt er die Lauge seines Spottes. Tiefsinnig erörtert er die Frage des Weinirinkens am Purimfeste; schon in seinem ,.Ewen Bochan" weist er, wo er gegen die Prasserei und Völlerei an den Festtagen eifert, spottend darauf hin, es sei pflichtgemäß und ehrenvoll, sich an Purim übermütig zu gebärden, und man dürfe in dieser Nacht das Wort Wasser nicht einmal aussprechen. Daß diese Parodie in späterer Zeit bei den Rabbinen nicht besonders geschätzt wurde, und sie nicht bloß die Lektüre verboten, sondern einen großen Teil der zu Anfang des sechzehnten Jahrhunderts gedruckten ersten Ausgabe vernichten ließen, kann als Beweis dafür gelten, daß sie mehr als ein harmloser Faschings^ scherz war. Eine Ironisierung des Judentums, des inneren Wesens der jüdischen Religion und ihrer Sitten lag Kalonymos fern: nur die Zeiten hatten sich geändert zwischen dem Nachfahren einer universalen Hochkultur und dem, was für die Juden wirklich „finsteres Mittelalter" war. Das Juliheä enlhieli u. ct.: Weltausstellung 1937 / Max Nußbaum, Dialogische Geschichie / Ernst Roenau, Säkularisierung des Judentums / Nachwort der Schriftleitung / L L. ben Israel, Die kleine Siadi taucht wieder auf / Nelly Sachs, Gedichte / Walter Laaser, über das Bad Im Seplemberheft schreiben u. a.: Alexander Altmann, Dogmen im Judentum? / Carl Cohen, Können wir die Vergangenheit verstehen? / Hermann Sinsheimer, Der Herzog von Mytilene 215