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Der Morgen · 1937-08-01 · Heft 5 (August 1937) · p. 207

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 5 (August 1937)
Article
Aus "Elegien einer Jugend"
Date
1937-08-01
Page
207 (sequence 2)
Language
German
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Uri Rosenheim: Aus „Elegien einer Jugend'' Väter erwachet, steht auf! Eilet zum göttlichen Thron, Ihn zu bestürmen, den Hohen, Gewaltigen! Hat er nicht einstens Lieb7 euch versprochen, denn ihr dientet ihm treulich; ihr wart Ganz bereit, auch den Sohn ihm zu opfern, und all eure Habe Hinzugeben; zum Dank hat er verhießen, der Schar Führer zu sein und zu schenken das Land als Erbteil. Wie jaget Jetzt uns der Fremde davon! Ja, sie sündigten, wohl, Aber zu hart trifft der Bannstrahl; erwachet ihr Väter, und eilet Ihn zu bestürmen, der hoch spricht über Wolken den Spruch!" Und gewaltig entstieg Abraham der Alte, und Jizchak Folgt' ihm nach, und der Sohn, Jakob, sowie auch der Hirt Mosche, der einstens durch Wüsten den Zug geführet; aufstanden So die Mütter des Volks Rachel und Lea; darauf Silpa und Bilha, und weinten und rangen die Hände; es brüllte Jeremias darein, löwenstark, schmerzlich; und so Fielen sie hin vor den Schöpfer, und weckten Erinnrung, wie einstens Zehnfach Abraham ertrug Prüfung, wie willig zur Seit Ging dem Vater der Sohn, und trug das Holzbund, und duldet' Herbe Fessel; er ahnt: dies ist der Wille des Herrn. — Und mit Verheißungen nahten sie sich der Gnade; die Mütter Schlugen sich jammernd die Brust; aber von allen zuletzt Beugte sich Rachel und sprach: Gedenke, o Herr, wie am Wege Mich erraffte der Tod, da ich noch kaum erst das Kind Ihm geboren, der nun zur Heimat den Weg zog; ich aber Litt nur die Schmerzen; mir war nimmer die Freude vergönnt, Wachsend zu schauen die Kinder, geehrt wie Kön'ge; und jetzo, Da ich erwache, o Gram, schau ich den wankenden Zug Der Vertriebnen, den Jammer, das Blut der Erschlagnen; wie Also die Kinder, o Herr? Nimmer ertrag ichs, und soll [schlägst du Nun im Elend verdorren der Rest meiner Kinder? Ich weiche Nicht von dannen, o Herr, ehe mich tröstet dein Wort! Laut drauf erwidert die Stimme: O kehret zur Ruhe, ihr Edlen, Ganz nicht zerstör' ich das Reis, das ich geheget; ob lang Auch sie schmachten im Fremdland, die Kinder, in Armut, verfolget Tausendfach, stets auf der Flucht, unbehaust, ruhlos; doch will Ich zurück sie einst führen, und richten die Stadt, und erbauen Wieder den hohen Palast, und aus der Mitte des Volks Hebt sich sein Herrscher: da kehret ein jeder zur Hütte; es weilet Jeder beim Weinstock; und nun schmilzt man die Schwerter, und gießt Sicheln und Pflugscharn daraus zum friedlichen Werke; so blühet Noch zum Segen das Leid. Von der erhabenen Stadt Zions ertönet die Botschaft und löset den Starrsinn, entwindet Blutigen Fäusten das Schwert, löscht aus den Herzen den Groll. Da begegnen sich Völker in liebendem Kusse, als Brüder Halten sie treu sich umarmt, preisend das Frührot des Tags. 207

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