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Der Morgen · 1937-08-01 · Heft 5 (August 1937) · p. 206

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 5 (August 1937)
Article
Aus "Elegien einer Jugend"
Date
1937-08-01
Page
206 (sequence 1)
Language
German
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uriRosenheim: Aus „Elegien einer Jugend Zum neunten Aw Doch daß Jerusalem fiel, nie wird es verschmerzet; die Feste Ach, sie stürzte; der Brand wütet im heiligsten Raum; Mauern krachten, und Pflüge verheeren der heiligen Stätte Boden; das jammernde Volk wimmelt in Straßen, verzehrt Von den Qualen des Hungers, von Schmach erdrücket; als Sklaven Führt man sie weg, so den Mann wie den Jüngling, das Weib, Fest den wimmernden Säugling gepreßt an den Busen; er siehet Nimmer, ach, heimisches Land; sondern am fremden Gestad Weint er die Sehnsucht, gewaltsam gerissen vom süßesten Herde, Von der bergkrönenden Stadt, die der Barbare durchgröhlt. Wieviel Jahrhunderte kamen und gingen und häuften der Schmerzen Viele, der Greuel ohn' End; — nun auch im fremden Revier Brennt man und senget und foltert, und reißet aus schwangerer Frauen Leib den Säugling; die Qual schreit gen Himmel. Doch stets Stärker erklinget das Klaglied um Gottes Feste, die einstens Trotzte im Kerne des Landes, Helden umgürtend, und hier Ragte des Davidstamms Burg, und Salomo herrschte, der Weise, Wissend des Flügeinden Spruch; aber es schweigt nicht der Schmerz, Ob auch nun ferne das Land, nicht schaut es das Auge; die Herzen Suchen es immer, und treu pochen sie, Zion, dir zu. Wie nach dem Kinde schon griffen die fremdesten Schmerzen; zu Hockt man sich nieder; das Ei aß man mit Asche; man zog [Boden Leis auf unhörbaren Sohlen zum Haus des Gebetes; und eilte Sonder Grüßen vorbei, fremd dem Nachbarn; denn nichts Sprach heut als Schmerz um die Feste, die einst gefallen. Das Urweh Wandelt Sitten: man nimmt heute nicht Nahrung; der Tag Bringt nur Klagen und Anruf und wehe Erinnerung; das Stöhnen Vieler Geschlechter wird laut, ob sie in Frankreich, ob auch Hart in Spanien, Italien, in Portugal litten, verfolget Lange und schrecklich; wie grub tief sich ins frühe Gemüt Mir des Volkes Geschick, das standhaft in Todschmerz bekannte Namen des Einzigen; nichts brach ihm den Glauben, und stets Richtets aufs neue sich auf und denket der Ahnen, beschwöret Höhere Hilfe und läßt nicht von Erinnrung; es singt Glühend der Sänger die Berge, die Triften, die Städte des Landes; Dauernde Sehnsucht senkt tief Wurzel in dauernden Sinn. Wie Jeremias sich nahte der Ahnen Erbgruft, und „Höret!", Schrie er, „ihr Väter steht auf! Seht euer Volk, euer Volk, [Jüngling, Wie es hinwankt, zerfleischet vom Feindschwert; in Banden der Jungfraun geschändet, die Stadt wüst, in Trümmern; und Nacht Drückend, darin unsrer Hoffnung, der Zuversicht Sterne ersticken; 206

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