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Der Morgen · 1937-08-01 · Heft 5 (August 1937) · p. 198

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 5 (August 1937)
Article
Die Lage der jüdischen Jugend
Date
1937-08-01
Page
198 (sequence 7)
Language
German
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Fritz Aronstein Ziehungen, bei der Labilität auch des sittlichen Gefüges muß der Inhalt der Lehre klar, unmißverständlich und auf den Augenblick bezogen ausgesprochen werden. Anknüpfend an eigene Erfahrungen der Jungen müssen ihnen immer wieder Aufgaben gezeigt werden, denen sie nicht ausweichen dürfen. In Bünden, in den jüdischen Schulen, wenn möglich auch in einem größeren Kreis im Elternhaus muß die Jugend so viel von ihrer Welt und ihren Aufgaben erkennen lernen, daß sie nicht mehr in Träumereien und schöne Worte ausweichen kann, daß sie nicht mehr ihre Programme für Taten hält, daß sie nicht mehr eine Identifikation mit irgendeiner kulturpolitischen oder religiösen Idee schon für eine Tat hält. Andererseits aber darf man ihr damit natürlich nicht den Mut und den Ansporn nehmen, nun wirklich ihr Leben zu beginnen und mit Freude zu planen. Wer zur Jugend spricht, muß absehen lernen von dem, was er selbst und wie er selbst gelernt oder die Welt erfahren hat, er muß in jedem Augenblick versuchen, die Jugend in ihrer Situation zu sehen, ohne aber damit je etwa eine „Welt der Jugend" oder eine „Autonomie der Jugend" anzuerkennen. Die Jugend wird für die Welt vorbereitet, in der sie erwachsen sein soll, und hat ein sehr feines Organ dafür, ob sich einer, der zu ihr spricht, kindlich stellt und ob er „so tut, als ob er so wie sie wäre". Das will sie nicht; sie zieht persönliche Distanz der Erwachsenen vor, und je mehr sich die Erwachsenen ihr korrekt und anständig, als distanzierte Freunde zeigen, um so mehr haben sie das Ohr der Jugend. Selbst wenn es den Anschein hat, als ob die Jugend über die Sprüche der Erwachsenen sich lustig macht, mag man sich davon nicht täuschen lassen. Unter der Maske rauher Ablehnung verbirgt sich bei Jugendlichen sehr oft Keuschheit, Schüchternheit, ja sogar Angst vor der Welt der Erwachsenen, und das „sich lustig machen" ist ein Zeichen dafür, daß man eben innerlich noch nicht lustig ist. ._ Fritz Aronstein: Ußber die „Kind" Non nasce in me pensier che non vi sia dentro scolpita la morte. (Michelangelo) Jeder Gestaltung, die dem jüdischen Volke entstammt, ist das Wissen um den Tod eingegraben; das Wesen jeder jüdischen Schöpfung spricht von ihm, dem Unüberwindlichen, zu dem alles einst zurückkehren wird, wenn es die Bahn des Aufgegebenen durchlaufen hat. Völker sind gegangen, und neue kamen, — geblieben ist das jüdische Volk mit seiner tiefen Kunde von Tod und Leben, einer Kunde, die nicht im ruhigen Denken, in der Philosophie entstanden ist, sondern der jahrtausendealten Ge- 198

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