Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 5 (August 1937)
- Article
- Drama: Palästina
- Date
- 1937-08-01
- Page
- 183 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Drama Palästina entsprechend bescheidener geworden. In der frischen Erinnerung an die Enttäuschung, die ihm soeben in London widerfahren war, mäßigte der Kolonienminister von vornherein seine Erwartungen und verlangte auch von der Mandatskommission nur eine vorläufige Entscheidung, die eine nochmalige Rückverweisung des ganzen Fragenkomplexes nach der Tagung des Völkerbundsrates ins Auge faßt. Es war ein richtiger zweiter Akt, der den Konflikt verdichtete und zuspitzte und die Spannung gerade durch die verzögernden Momente aufs äußerste erhöhte. Da diese Zeilen in Druck gehen, ist der dritte Akt in voller Entfaltung. Er spielt in Zürich auf dem Zionistenkongreß und der Council-Tagung der Jewish Agency. Man braucht nicht Jude zu sein, um festzustellen, daß damit die Handlung auf ihre wichtigsten Träger übergeht. Und es ist nicht überheblich zu sagen, daß das Drama sich damit seinem Höhepunkt nähert. Aber weil wir Juden sind und weil wir das Schicksal Palästinas ganz gewiß nicht als kühle Zuschauer mitansehen, sondern als leidenschaftlich beteiligte Mitspieler zu gestalten versuchen möchten, deshalb weitet sich in diesem dritten Akt die Kongreßtribüne zur jüdischen Öffentlichkeit der Welt. Überall, im polnischen Städtel, in der schrumpfenden jüdischen Gemeinde Deutschlands und in der stolzen jüdischen Massensiedlung Amerikas, fühlt man die Schwere und die Größe der Stunde. Die Züricher Tagung ist nur der Mund, durch den alle in Gedanken und Taten am Palästinawerk teilnehmenden jüdischen Massen ihren Willen offenbaren möchten. Die Verantwortung, die auf den beiden Kongressen lastet, ist ungeheuer. Durch die bisher in London und Genf geübte Zurückhaltung hat sich die Spanne aller möglichen Entscheidungen noch erweitert. Kommt es überhaupt zu einer scharf umrissenen Stellungnahme, so wird inmitten der wogenden Fluten des Für und Wider der erste Fußbreit festen Bodens gewonnen sein. Daß man aller Wahrscheinlichkeit nach versuchen wird, ihn als Absprung für weitere Entscheidungen zu benutzen, belastet ihn von vornherein mit der verhängnisvollen Schwere der ganzen zukünftigen Entwicklung. Wie groß der Ernst ist, mit dem man an die Arbeit ging, kam in den vorbereitenden Verhandlungen klar zum Ausdruck. Die festgefrorenen Fronten der innerzionistischen Richtungen lockerten sich .allenthalben, und anders als sonst im Parteigetriebe fühlte jeder Einzelne sich unmittelbar zur Entscheidung aufgerufen, ohne ängstlich und unter Verzicht auf eigene Meinung der Fraktionsparole zu folgen. Die Fronten der Ja- und Neinsager haben alle bestehenden Parteien gesprengt. Die Klarheit der Gruppierung, die sonst jedes Abstimmungsergebnis als reines Rechenexempel vorwegnahm, ist fortgefallen. Aber die Undurchsichtigkeit und die Möglichkeit vermehrter Zwischenfälle, ja die 183