Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 5 (August 1937)
- Article
- Drama: Palästina
- Date
- 1937-08-01
- Page
- 182 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Drama Palästina Presse zwischen links und rechts, Italien, Amerika, Polen, der Mufti von Jerusalem, der Emir Abdulla von Transjordanien, und schließlich die Juden selbst, Zionisten und Nichtzionisten, ihre Presse und ihre führenden Männer — sie alle hatten wieder die Wahl zwischen Gut und Böse wie am ersten Menschheitstag. Nur daß ihnen der Baum der Erkenntnis seine Früchte nicht als leichte Beute, sondern verborgen in einem undurchsichtigen Wust von Zweifeln darbot. Noch ist der Prozeß der Entscheidungen bei weitem nicht abgeschlossen, aber langsam erneuerte man die Bekanntschaft mit den agierenden Personen. Hie und da sah man wohl auch durch ihr neues Gebaren der Entschlossenheit oder der wohlerwogenen Zurückhaltung altgewohnte Züge hindurchschimmern, man erkannte folgerichtige Charakterentwicklungen oder erstaunliche Wandlungen: die Exposition des Dramas war gegeben, es begann der zweite Akt. Die Schauplätze des zweiten Aktes waren London und Genf. Mit überraschender Schnelligkeit und Entschiedenheit hatte die englische Regierung den Gang der Handlung vorangetrieben. Das Oberhaus sollte allgemeine Zustimmung markieren, das Unterhaus die Regierungserklärung billigen. Mit diesen wichtigen Anerkenntnissen gedachte man vor die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes in ihrer Genfer Sitzung vom 30. Juli zu treten und mit deren Zustimmung beim Völkerbundsrat im September leichtes Spiel zu haben. So sollte rasch und reibungslos ein Rad ins andere greifen, damit das Endergebnis, der Vollzug der Teilung, möglichst bald dem gegenwärtigen Unruhezustand ein Ende bereitete. Aber es kam anders. Das erste Rad, das aus der Fahrbahn sprang, war das britische Unterhaus. Hatte sich die schon unvermutet scharfe Opposition in der vorhergegangenen Oberhausdebatte noch im Rahmen der Regierungspolitik bewegt, so führte der große Palästinatag im Unterhaus zum ersten wahrhaft dramatischen Überraschungserfolg. Das Parlament protestierte offen gegen das von der Regierung angeschlagene, als überstürzt empfundene Marschtempo, verweigerte eine endgültige Stellungnahme und brachte nur einen vorläufigen, den Teilungsgedanken allgemein bejahenden, aber sehr elastischen Beschluß zustande, der für spätere Entscheidungen fast alle Möglichkeiten offen läßt. Zum Schluß gab selbst die Regierung ihren entschiedenen Kurs auf und stimmte für den aufschiebenden Antrag. Die Folge der Haltung des Unterhauses war, daß man nach Genf unter anderen Voraussetzungen ging, als man gehofft hatte. Man kam nicht mit der Rückendeckung eines unbedingten parlamentarischen Jaworts zu dem Teilungsunternehmen, sondern konnte nur eine sehr bedingte Zustimmung vorweisen und war 182