Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1937-07-01 · Heft 4 (Juli 1937) · p. 180

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 4 (Juli 1937)
Article
[Rezension]
Date
1937-07-01
Page
180 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2895450-2895566-2895571-2907343--09927-2907405
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ten Testaments mit der Erlösungsidee durch den Kreuzestod des „Heilands" verbindet, haben wir ein Beispiel dafür, wie wenig man einzelne gewiß befremdliche Sätze aus Friedells neuem Kulturwerk herauszerren darf, um ihn des Antisemitismus zu zeihen. Auf keinen Fall darf uns das hemmen, ein im übrigen herrliches Werk herrlich zu nennen. Das Erlebnis des Zwiespalts, daß des Menschen Reich nicht von dieser Welt und daß der Mensch der Erde, die sein Werk sei wie er das ihrige, nicht entfliehen könnte und dürfe, ist der Ausgangspunkt dieser Kulturgeschichte. Wie ihre dreibändige Vorgängerin konnte sie der Bebilderung entraten, weil ihr Verfasser plastischer schildert, als Abbildungen es wiederzugeben vermögen, und weil seine geschichtsphilosophische Schau sich dem Bildwerk entzieht Lutz We ltm an n „Sdbbathklang und Festessang." Ein musikalischer Wegweiser für die häusliche Sabbath- und Festesfeier. Von Hanns John Jacobsohn. Philo Verlag, Berlin 1937. Den vielen, die in aller Stille und ohne großes Pathos in den letzten Jahren versuchten, die Rückkehr zum jüdischen Leben durch die Einbeziehung religiöser Inhalte und Formen in ihr individuelles Dasein zu vollziehen, hat eine ausgebreitete, volkstümliche Einführungsliteratur den tiefen Mangel an gelebter Tradition ersetzen helfen. Eine fühlbare Lücke blieb: das religiöse Melodiengut, jüdischem Gebet und Gottesdienst untrennbar verbunden, wurde den Lernenden nicht erschlossen. Mancher mag diesen Mangel schmerzlich empfunden haben, wenn er begriff, daß ein gut Teil der jüdischen Seele in die Gebetsmelodien — und gerade auch in die, die der häuslichen Feier ihre Note geben — eingegangen ist, daß alle unter Tränen lächelnde messianische Sehnsucht, alle Not und alle gottnahe Gläubigkeit der Gebets worte in ihnen noch einmal musikalisch wiederkehren. So erfüllt das schmale Heft aus der Feder des bekannten Berliner Oberkantors Jacobsohn eine wichtige Aufgabe. Es gibt fast sämtliche für die häusliche Feierstunde wichtigen Gebetsgesänge wieder, wobei die Texte in lateinischem Umdruck den Noten unterlegt sind; knapp gehaltene Angaben über das häusliche Ritual ergänzen die musikalischen Aufzeichnungen in glücklicher Weise. Klug und sympathisch wirken auch die kurzen einleitenden Bemerkungen Jacobsohns, in denen er dartut, daß die Musik hier nur die Dienerin des Wortes ist Alle prätentiöse, künstlerisch - musikalische Ausgestaltung ist darum fortgelassen; beten lehren will das kleine Heft, so wie Juden immer in einfacher Innigkeit zu beten vermochten. Der ästhetische Anspruch, der freilich auch für die häusliche Feier besteht, wird ergänzt und erhöht durch die im geschichtlichen Wandel geprägte Kraft der musikalischen Wendungen, in denen mehr steckt als Kunst: Schicksal und Sendung. Diese Kraft der Melodie für die häusliche religiöse Feier wirksam zu machen, unternimmt das Buch, das damit zu einem wertvollen Hilfsmittel wird und dem man nur einen etwas weniger arabesk-gartenlaubenhaften Titel gewünscht hätte. Kurt Julius Riegner 180

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.