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Der Morgen · 1937-07-01 · Heft 4 (Juli 1937) · p. 145

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 4 (Juli 1937)
Article
Dialogische Geschichte
Date
1937-07-01
Page
145 (sequence 4)
Language
German
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Dialogische Geschickte Partners (assimiliert, die sich ihrem Rahmen am besten einfügen. Auch hier entsteht etwas kulturell Neues, aber niemand geht dabei unter. Beide Partner bleiben Sieger und bereichern sich gegenseitig. Dieses ist die ideale Form völkergeschichtlicher Begegnungen. Die Elemente, aus denen sich das psychische Ich des jüdischen Volkes zusammensetzt, sind dieselben, die wir auch bei den Anderen finden: Urelement, historisches Element und dialogisches Element. Als Urelement des jüdischen Volkes läßt sich mit Bestimmtheit das religiöse feststellen. Niemand, der die Tatsache des religiösen Urelements in der jüdischen Psyche in Zweifel zieht, wird unser Wesen und unsere dreitausendjährige Historie verstehen. Ein Beispiel für viele: in der jüdischen Überlieferung gibt es verschiedene Abwandlungen des Sinaitischen Offenbarungsbegriffes. Zwei von ihnen sind äußerst charakteristisch und seien hier erwähnt. In der einen Version heißt es, daß Gott die Tora auch den anderen Völkern angeboten, daß diese sie aber abgelehnt und nur das jüdische Volk allein die klassische Antwort „Wir wollen tun, und wir wollen hören" gegeben habe. Eine zweite Stelle besagt, daß die Juden die Offenbarung nicht freiwillig empfangen haben, sondern durch die „Stülpung eines Berges" dazu gezwungen worden seien. Äußerlich betrachtet sind es zwei entgegengesetzte Auffassungen. Blickt man aber etwas tiefer, so ergibt sich aus ihnen die große Wahrheit von der absoluten Entsprechung zwischen dem Charakter der Tora und dem der jüdischen Seele. Ein Volk, dessen Urkern religiös ist, kann zu der ihm gemäßen Lehre blind „ja" sagen. Ein Volk, dessen Urkern religiös ist, kann im Anfangsstadium seiner Entwicklung zur Annahme und Verwirklichung dieser Religiosität auch gezwungen werden, wie man ein Kind — weil es den Nutzen der Lehre für das Leben noch nicht begreift — zwingen kann, sich mit Büchern zu "beschäftigen. Die beiden Stellen der Tradition, so entgegengesetzt sie auch auf den ersten Blick erscheinen mögen, bilden zwei sich ergänzende Belegstellen für den religiösen Urkern des jüdischen Wesens. Zu diesem religiösen Urkern kamen im Laufe unserer geschichtlichen Entwicklung manche neuen Züge, hinzu. Die zweitausendjährige Zerstreuung, in der wir leben, hat dem jüdischen Menschen viele Eigenschaften hinzugefügt, die er von Anbeginn an nicht besaß. Der mangelnde Natursinn des Juden ist z. B. ein solches Produkt der Galut. Die besondere Neigung zur Musik in moll kann etwas Wesenseigenes sein, weil sie allen orientalischen Völkern gemeinsam ist; aber es spricht eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, daß die ausschließliche Abstellung des jüdischen Volkses

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