Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1937)
- Article
- Stefan George und seine jüdischen Schüler [Rezension]
- Date
- 1937-06-01
- Page
- 131 (sequence 3)
- Language
- German
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und Mark Anton einenn stärkeren Atem als den meinen verspürt? Kraft dieses Atems erst scheint mir — als Wesentliches in der Neuübertragung — das herbe frührömische Pathos des Coriolan und die vielfarbigen Weltuntergangsbilder des Antonius, die den Schlegeloiden noch nicht einmal wahrnehmbar waren, jetzt ihren deutschen Ausdruck bekommen zu haben. Im zweiten Band ... dürfte Ihnen wohl die Erneuerung des graziösen Renaissancespiels in den zahlreichen Reimstellen des Romeo, denen Schlegel nicht gerecht wurde, besondre Freude machen." (S. 66 f.) Neben dem vulkanischen Wolfskehl erscheint damals Gundolf als der Vermittelnde, Brücken Schlagende; schon früh hat er Gedichte von Verwey ins Deutsche übersetzt. Mitten im Weltkrieg grüßt er den Holländer durch ein Gedicht, das vom Unverlierbaren spricht: ___ Du unverlierbar uns durch sinn und sang Gundolf Elisabeth Gundolf hat den Rilke- Vortrag, den Friedrich Gundolf 1931 in Essen hielt, aus dem Manuskript als Druck der Johannes-Presse in Wien herausgegeben. Wir sind dankbar für diese Gabe. Nicht ohne Ergriffenheit liest man die Sätze: „Den ganzen Stil seiner späten Werke . . . begreift man nur, wenn man darin Rilkes verzweifeltes und demütiges Stemmen gegen den ersehnten Tod vernimmt, nicht nur als Aussage, sondern gerade als Formgebung. Alle Sicherungen einem Publikum gegenüber. Und nicht gefährdet durch das uns bedräunde Verlier uns nicht und kenne deine freunde Am ewgen träum bei auf- und Untergang! Dann trat der Zwiespalt dennoch zwischen die einst Geeinten. „Ich schweige nun, und werde fürder schweigen / Da Ihr kein einzig Wort von mir versteht", schrieb einer dem andern. Aber als der Friede gekommen war, versuchte Gundolf, eine Versöhnung der Getrennten herbeizuführen, „schlank, liebenswürdig und schlicht wie immer ... Er fragte mich, ob ich George besuche würde. Ich sagte, nicht annehmen zu dürfen, daß ihm dies angenehm sei. Er versicherte mir das Gegenteil." Der Versuch, die Verbindung zu erneuern, gelang nicht. Der eine verstand die Sprache des andern nicht mehr. Nach dem Heidelberger Zusammentreffen, das Gundolf vermittelt hatte, haben sie einander nie mehr wiedergesehen. B. B. St. über Rilke alle Sorge um Verständlichkeit vor Freunden oder Gemeinden sind von ihm abgefallen. Er hat nur noch das verinnerlichte Gedächtnis der tausend Erdensachen und den unfaßbaren Widersacher, den Einsauger und Aufheber: den Tod. Nun zieht er krampfhaft als einen dichten kühlen Panzer den bedrohten Besitz aus der lockeren Atmosphäre um sich heran, die Gleichnisse, die Worte, knickt sie, biegt sie und schmiegt sie um den schwindenden Leib. Man muß bis zu dem wahnsinnigen Hölderlin zurückgehen, um 131