Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1937)
- Article
- Stefan George und seine jüdischen Schüler [Rezension]
- Date
- 1937-06-01
- Page
- 130 (sequence 2)
- Language
- German
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die Freundschaft „trotz Schicksal und Trennung warm, wach und wachsam". Nicht von diesem gedanklichen Drama soll hier die Rede sein. Aber Stefan George, der Dichter, der einer ganzen Generation junger Menschen zum Leitstern des Lebens wurde, hat auch eine große Reihe junger jüdischer Menschen unter seinen Schülern gefunden, deren Namen uns wegen ihrer eignen Leistungen heute vertraut sind. Es ist merkwürdig und sinnbildhart, diesen Jünglingen in dem Buche des Holländers zu begegnen, dessen klares Auge auch seelische Zusammenhänge tief durchschaute. Besonders die zwei bedeutendsten Schüler Georges aus jüdischem Umkreise werden in markanten Momenten ihres Lebensganges erschaut und festgehalten. Hier steht eins der lebendigsten Bilder des jungen Wolfskehl: „Doch war auch Wolfskehl ... ein Naturwunder. Seine Figur und sein Kopf, schrieb ich nach Hause, sind die eines griechischen Reigentänzers, eines Bacchanten, eines von Dionysos Besessenen, mit großen, wie Edelsteine spiegelnden Augen und einem großen roten Mund. Er ist lang, schmal und geschmeidig, hat einen kleinen Kopf mit einem feinrotblonden Bart und schwarzen aufschlängelnden Locken an der Stirn. Geistreich und liebenswürdig wird er das letzte noch mehr durch ein plötzliches ungeduldiges Stottern ... Seine Verehrung für George ist grenzenlos ..." (S. 20). Wie schon Wolters nachwies, verdankte der Kreis dem jungen Wolfskehl den Hinweis auf Bachofen und sein Mutterrecht, das dann für die „Kosmische Runde" von großer Bedeutung werden sollte. Lebendig werden ihre Diskussionen darüber geschildert: „Wolfskehl war von dieser Dreizahl der am meisten umfassende und der am stärksten lebendige. Er erörterte nicht, sondern sprach in Stößen, bald kurz und rasch, bald in nicht aufhörenden wiegenden Windungen, bald wie ein Feuerwerk mit Funken und Strahlenbögen. Aber dabei teilte er mit aus einer unbegreiflichen Kenntnis und Belesenheit und war von immer überraschendem Esprit" (S. 35). Wolfskehl geht auch dann noch mit seinem Meister, als der Weltkrieg die beiden Freunde zu trennen droht Wolfskehls Brief an Romain Rolland wird zitiert, wo der Jünger von dem Kriege sprach, den sein Meister mit „seiner Not und seinen Tugenden" gesehen und verkündet habe. Trotzdem blieb der menschliche Zusammenhang zwischen den Gleichstrebenden zunächst noch unversehrt: Und nun tritt ein andrer Schüler Stefan Georges auf den Plan: Friedrich Gundolf. Wir hören, daß Gundolf schon als Neunzehnjähriger sich mit Shakespeares Sonetten beschäftigte, und sehen in die gemeinsame Arbeit von Stefan George und Friedrich Gundolf an der Shakespeare-Obersetzung hinein, „im Hause Gundolfs am Grünen Weg in Darmstadt". Gundolf weist den Holländer auch darauf hin, welche Dramen sich der Mitarbeit Stefan Georges erfreuen durften: „.. Aber haben Sie nicht manchmal in den dichterischen Reden des Coriolan 130