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Der Morgen · 1937-05-01 · Heft 2 (Mai 1937) · p. 89

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 2 (Mai 1937)
Article
Ausgewandert 1902
Date
1937-05-01
Page
89 (sequence 3)
Language
German
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alle meine bekannte Freunde noch einmal an dessen Türen zu klopfen und hoffe, daß die noch lebenden oder ihre nachkommen so fiel anstand besizen werden mir zu antworten. Falls Sie dieses noch am leben und bei guter gesundheit antrifft, was ich herzlich wünsche, so bitte ich Sie hübsch ausführlich mir zu antworten. Sölten Sie sich für die hiesige Verhältnisse intressiren, hauptsächlich für land und leute, welche mit Landwürtschaftliche betrübe zu tun haben, blos mit kein Schachermacher nicht, so will ich Sie gerne antworten. Das Intressanste von allen dürfte die Carakulzucht sein. Da habe der herrgott ein nie geahnten und niegekannten Seegen buchstäblich mit beide händen auf das land hier niedergehen lassen. Hauptsächlich trifft es den, welcher, wollen sagen, mit Gewehr und Patronen bereits vorbereitet dastand. Kein Diamant noch Goldanteil hat den eigentümer derartige Dividente gebracht, und bei gott, die Menschen bülden sich ein, daß ihre Schweinsschlauheit sie dazu verholfen. So habe ich bei ankunft in diesem lande eine Steg- und Weglose Wüßte gefunden. So fiel muß ich sagen, daß instinktiew mir das Land von fornen herein für meine Kinder ein sicheres zukommen zusagte. Ich persönlich war schlau genug mir zu sagen: du gehst den Weg, welche Pioniere zu hunderttausende vor dier in den Neuländer bereits gegangen, dessen Loosung und Feldgeschrei, Kulturdünger bedeutet, und da ich mit dem Maßstabe anfing, erlöbte ich wönige teuschung, und das hat mir über die größten schwürigkeiten hinweggeholfen. Wo wier früher mit 24 Ochsen un ein Wagen gespant, um Fracht für die deutsche Truppe zu bringen und wochenlang dazu brauchten, Sausen jetz unsere Last Autos und machen dieselbe Türen in ein Tag. Das land hier ist mit ein Wort gesagt das reichste und beste Land der Welt und hat eine Zukunft, wie kein zweites Land. Es fehlt hier an nichts mehr, z. b. unsere Eisenbahnen hier zeigen derartig ausgestattete luxuß, weiche ich dort auf die hauptstrecken nicht gesehn usw. Ich grüße Sie herzlich und wünsche Sie alles gut. Ich habe fiel erreicht auf diese erde. Hochachtungsvol Ihr Joseph I----" Rudolf Otto zum Gedächtnis Mit Rudolf Otto, der am 7. März dieses jahres starb, hat nicht allein die protestantische Theologie einen Meister verloren, sondern das wissenschaftliche Gottsuchen überhaupt. Von der Überlegenheit seines angestammten Bekenntnisses überzeugt, ging er dem Wesen und der Würde aller wahrhaften Religion nach. Er erforschte das Geheimnisvoll-Numinose in der Sphäre des altbiblisch „Heiligen" (kadosch, sacer) und machte es zum Titel und Leitgedanken seines Buches „Das Heilige", das seinen Namen durch alle Lande trug. Es will etwas besagen, daß dieses anspruchsvolle Werk seit 1917 in 25 Auflagen erschienen und in die meisten Kultursprachen übertragen ist. Wir müssen bis auf 89

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