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Der Morgen · 1937-05-01 · Heft 2 (Mai 1937) · p. 88

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 2 (Mai 1937)
Article
Ausgewandert 1902
Date
1937-05-01
Page
88 (sequence 2)
Language
German
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dort möge. Zu zwei rechne ich bestimmt, obgleich zwischen uns die Dauer eines - Durchschnittsmenschenlebens liegt, wo wir uns zuletzt gesehn und gesprochen — denn es war am Ilten Dezember 1902 —, daß Sie sich doch noch erinnern werden, obgleich ich wehrend unsere geschäftliche beziehung mein Conto bei Ihnen ausgeglichen. Was mich persönlich betrifft, habe ich mir mit meinen Herrgott fol und ganz versönt und habe ihm alle Schwierigkeiten und hindernisse, welche er mir in meinen Lebenswandel im Wege geworfen, an welche auch hier in den ersten Jahren nicht mangelten, bis auf eins vergeben, und zwar besteht das darin, daß er mir dort wollen sagen unnötig mündestens 5 Jahre, und ausgerechnet gerade die besten, hat vegetiren lassen. Was ich eigentlich dort noch suchte und wollte, ist mir ein rätsei, welches ich mir voraussichtlich ungelöst mit ins Grab hier mitnehmen werde. Also kurz, ich will sagen, es geht mir auf meine alten Tage gottseidank recht gut. Ich bin inzwischen 77 Jahre alt geworden, habe es zu 15Vs Enkelkindern gebracht. Von meine 6 Kindern gehts niemand schlecht. Mit ruhigen gewüssen kann ich mich einen reich, und einen steinreich bezeichnen. So sitze ich auf datierte Farem seit den 22ten September 1903. Die Farem grenzt an K.. .er Weidegelände, ist über zehntausend hektar groß. Diese Farem habe ich nach ende des Weltkrieges auf meinen ältsten Sohn übertragen. Selbiger hatte zwar eine „Akademüsche ausbüldung" dort, wollen sagen insgesamt kaum 6 Monate Volksschule genossen, hat es aber durch Fleiß und arbeit verstanden, in verschiedenen himmelsrichtungen weiter Farme von insgesamt über einmal 100 tausend hektar sich zu erwerben. Auf diese Farme laufen Tag und nacht einfach unschätzbare Viebestände. Dawier kein derartiegen Winter hier haben, wo das Vie untergestellt und gefütert werden muß und wier im Laufe der Jahre unsere Wächter usw. in unserem betrüb selbst rangezüchtet, so ist auch eine Seltenheit mittels den Verwaltern, eine beschwörde oder klage zu hören. Ich habe in den ersten Jahren hier betreff Eingeborenen-aufstände, welche auf Mord und Raub basirten, bitter schwer zu kämpfen gehabt, auf einzelheit eingehn würde zu weit führen. Auch wurden wier im Weltkrieg hier schwer in mitleidenschaft gezogen, zumal meine 3 Söhne und 2 Schwiegersöhne mit Gewehre in der hand die Colonie gegen eine 20fache Übermacht zu verteidigen suchten. Die Viebestände gingen wie gewöhnlich in den Colonien zum Deibel, es ist zweck und sinnlos heute darüber noch ein wort zu verlieren. — Wir stehn seit den 22ten April 1915 unter Englische Flage und sind bereits seit Jahren Englische Untertanen. Es gibt hier keine klassen und Rassenunterschiede solange der Mensch hier seine Bürgerpflicht genügt, das heißt als anständiger Mensch sich benimmt, kümmert sich kein Deibel um ihn was er ist. Da ich wie bereits erwöhnt 77 Jahre alt, und endlich mit meine hoffnung und wünsche in den jamertal, was die Menschen leben und Welt nennen, zu ende binn, so habe ich mir entschlossen, an 88

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