Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 1 (April 1937)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1937-04-01
- Page
- 46 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ist groß — Öl ist größer" muß abgelehnt werden. Sachlich gibt es einige Irrtümer. So darf man nicht schreiben: „England wollte, daß Irak arabisch, also militärisch schwach bleibe", wenn man elf Zeilen später mitteilt: „Die ganze Politik Großbritanniens war . .. darauf gerichtet, Mesopotamien zu einem militärisch widerstandsfähigen Staat heranzuziehen." Niemals habe ich etwas von einem Protektorat Ibn Sauds über den Yemen gehört, auch nicht davon, daß dieser König einäugig ist Doch es ist eine fleißige Arbeit, und die Absicht, Geschichte leicht zu machen und eine dem europäischen Leser noch immer sehr ferne und zumeist nur durch die Brille romantischer Kuriosität gesehene Welt ihm näher zu bringen, scheint mir gelungen. Besonders hinzuweisen ist auf das umfangreiche Literaturverzeichnis zur Vervollständigung der Lektüre. Das Buch ist auch dem jüdischen Leser zu empfehlen, obgleich es für Palästina nur ein paar Zeilen und für das Problem der Eingliederung der Juden in die orientalische Welt nichts übrig hat. M. Y. Ben-Gavriel Ein Achtzigjähriger Zum Geburtstag von Levy-Bruhl Wir Juden kommen zuweilen in die merkwürdige Lage, einen jüdischen Gelehrten zu feiern, der im eigentlichen Sinne des Wortes gar kein jüdischer Gelehrter ist, weil sein ganzes Schaffen der Umwelt gehört hat und ohne jede Beziehung zum Judentum blieb. Andererseits können wir nicht an Gestalten vorbeigehen, die Großes für die kulturelle Entwicklung geleistet haben und die — auch wenn ihre Verbindung mit dem jüdischen Mutterboden fast gelöst zu sein scheint — doch irgendwie zu uns gehören und ein Teil der problematischen jüdischen Geschichte sind. Der französisch-jüdische Professor Luden Levy-Bruhl gehört zu jenen Gelehrten, von denen hier die Rede ist. Er begeht am 10. April seinen 80. Geburtstag. In der Geschichte der Soziologie und der Völkerkunde ist sein Name unauslöschlich eingegraben, und selbst wenn von all dem, was er geschaffen und gedacht hat, gar nichts übrig bleiben würde — als Markstein in der Entwicklung wird sein Name stets genannt werden. Levy-Bruhl, Professor an der Pariser Sorbonne, ist heute der führende Soziologe in Frankreich. Seine Bedeutung im einzelnen an dieser Stelle darzulegen, würde zu weit führen. Aber einige Entwicklungslinien sollen aufgezeigt werden, zumal dieser Gelehrte, der stets der Reklame und dem lauten Wesen abhold war, außerhalb der Fachwelt nur wenig bekannt ist. Levy- Bruhls eigentliche Leistung liegtauf dem Gebiet der Völkerkunde, wo er den Versuch unternommen hat, das Leben primitiver Volksstämme zu deuten und in neue Kategorien zu fassen. Er legte an Hand eines riesigen Materials dar, daß die seelische Haltung des primitiven Menschen sich wesentlich von der des Kulturmenschen unterscheidet, daß eine Welt sie voneinander trennt Der primitive Mensch erscheint ihm wesentlich durch Mystik gebunden, von der sein Denken ausgeht und in die es mündet Was wir kausales Denken nennen, das Denken, das 46