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Der Morgen · 1937-04-01 · Heft 1 (April 1937) · p. 44

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 1 (April 1937)
Article
Hebräische Bücher [Rezension]
Date
1937-04-01
Page
44 (sequence 3)
Language
German
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Gesetz und Brauch, in Auslegung und Predigt, in der Mystik, bei den jüdischen Sekten, in der Folklore, bei den nichtjüdischen Völkern, in der Liturgie, in der religiösen und weltlichen Poesie, in der weltlichen Literatur und in der Kunst. Bilder und Noten sind beigegeben. Der Herausgeber zeigte sich bemüht, nur Wertvolles und -beständiges zu geben, eine Linie, die, bis auf gezählte Zeugnisse aus der Gegenwart, eingehalten ist; getragen und ausgemacht von den Originalzeugnissen, bringt das Buch auch einzelne fremdsprachliche Zeugnisse aus allen Perioden. Der Plan als solcher geht auf Bialik zurück, dessen Name dem Lesebuch vorangesetzt ist. Die Bialik-Stiftung (Mossad Bialik) zu Jerusalem läßt seit 1935/36 das Jahrbuch „Kenesset" (Sammlung) erscheinen (herausgegeben von J. Kahan und F. Lachower); der kürzlich veröffentlichte zweite Band ist zugleich die umfangreichste periodische Publikation des Jahres. Die Sammelbücher sind in vier Abteilungen gegliedert: Bialik-Philologie (Erstveröffentlichungen aus dem Nachlaß, Erinnerungsblätter, Forschungen zu einzelnen Themen seiner Dichtung), Poesie (Vers und Prosa), Wissenschaft, Chronik der Zeit. Aus der Schlußabteilung ist F. Lachowers kritische Übersicht über die hebräische Buchproduktion des Jahres 5696 hervorzuheben, aus der Reihe der Abhandlungen eine Studie von Zwi Karl über die Exegese halachischer Tora-Stellen im Midrasch sowie eine Arbeit Gerhard Scholems über den Sabbatianismus: die letzte ein auf den ersten Blick einleuchtender Versuch, das landläufige Aburteil über die Anhänger des Pseudo-Messias und ihre Lehre einer Revision zu unterziehen, auch diesem Phänomen innerhalb der jüdischen Geistes- und Weltanschauungsgeschichte seinen Platz zuzuweisen und der unerkannt gebliebenen Nachwirkung jener scheinbaren Verirrungen nachzugehen. Die Frage, ob der Hexametersich in sefardisch akzentuiertem Hebräisch wiedergeben lasse, ist vorderhand nicht entschieden. Die Homer- Übertragungen Tschernichowskis sind aschkenasisch betont und dadurch wieder der am lebendigen Hebräischen gebildeten Jugend unzugänglich. Einen Versuch, den klassischen Rhythmus bei modernem Tonfall zu wahren, hat neuerlich Süßmann Muntner mit der Wiedergabe einer kleineren epischen Dichtung, „H ero und Leander" von Musaios, unternommen (bei Rubin Maß, Jerusalem 1936). Die Arbeit verfolgt auch einen philologischen Zweck; die Ausgabe stellt die Übersetzung dem Urtext gegenüber, verzeichnet die Lesarten und ist mit einem Kommentar versehen. Dem Experiment kommt es zugute, daß es an einem Text geübt wird, der den klassischen Denkmälern an Wucht, Kraft und Größe sichtbar nachsteht, zugleich aber die gültige Formung eines unsterblichen Stoffes ist. Die Genugtuung, Neuland erschlossen zu haben, und das bange Gefühl, erst am Anfange des Anfangs zu stehen — beides muß notwendig jeden bewegen, der um die werdende hebräische Kultur ernsthaft bemüht ist und zu seinem Teil an ihr mitwirken darf. Emanuel bin Gorion 44

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