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Der Morgen · 1937-04-01 · Heft 1 (April 1937) · p. 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 1 (April 1937)
Article
Untermieter
Date
1937-04-01
Page
42 (sequence 2)
Language
German
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der" — das sagen alle, die nicht wiederkommen. An der nächsten Tür öffnet eine Frau, die einen sehr sympathischen Eindruck macht. Sie zeigt mir das Zimmer. So etwas suche ich. Als ich ihr mein ernstes Interesse an dieser Wohnung bekunde, sagt sie — ich weiß nicht genau, warum — „wir sind Juden". „Das sehe ich", entgegne ich lächelnd. „Ach! Sie müssen mich entschuldigen" — dabei streicht sie in "höchster Verwirrung eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht und rafft ihren blauen Arbeitskittel zusammen, „ich bin gerade am Aufräumen". . . Das Zimmer war übrigens vorbestellt und nicht mehr zu haben. Die nächste Vermieterin ist mit ihrem jetzigen Mieter sehr unzufrieden. Für das Licht, das er zuviel gebrannt hat, soll ich mehr Lichtgeld zahlen, eine Tischlampe soll ich stellen, waschen darf ich mich, wenn sie mit ihren drei Töchtern das Bad geräumt hat, ein Telefon brauchte ich ja nicht bei meinem Beruf, ich könne es höchstens nach fünf Uhr benutzen. Das Zimmer hat außerdem einen Ausblick auf einen sehr engen Hof. Da ich aber leider zu den Menschen gehöre, die manchmal über den Sinn des Daseins nachdenken und infolgedessen zwangsläufig zur Melancholie neigen, fürchte ich, daß der Hang dazu in dieser Umgebung nur verstärkt werden würde. Kurzum: ich habe ein Zimmer. Bei einer Wirtin, die früher aufsteht als ihre Untermieter, die das Rasierwasser und den Kaffee auf die Minute pünktlich besorgt. Meinungsverschiedenheiten gibt es zwar auch hier, beispielsweise über die verschiedenen Sauberkeitsgrade der Badewanne. Zu einer richtigen Wirtin gehöret auch ihr Töchterlein. Meine hat deren zwei. Sie sind der Kummer meiner schlaflosen Nächte. Aber in anderem Sinne als Sie denken! „Wo man singt, da laß dich nieder" — gewiß! Aber gegen Mitternacht möchte man doch schlafen und den trauten Freundeskreis keinerlei Songs und Rheinlieder mehr singen hören. Wenn ich mir überlege, daß der Frühling in Sicht ist ... soll ich umziehen? Soll ich mir bei dieser Gelegenheit eine Existenz gründen, indem ich mir eine Wohnung miete, heirate und selber . . . Untermieter beherberge: Vermieter! (die guten Willens sind) . . . den Wünschen der Wohnungsuchenden. . . Ich kenne den Spruch! h. 1. Hebräische Bucher Das erste allgemeine Konversationslexikon in hebräischer Sprache, die vom Verlag „Massada" in Tel-Awiw herausgegebene „Enziklopedija kelalit", nähert sich der Vollendung; es steht noch der Schlußband aus. Genauer gesagt, ist es der Schlußband der ersten Reihe; denn man hat — wohl ein Novum auf diesem Gebiet — den gesamten Wissensstoff auf zwei, als getrennte Serien erscheinende Alphabete verteilt, mit dem Lexikon der Eigennamen (Personen, Gestalten, Orte) begonnen und das der Sachen und Begriffe zunächst zurückgestellt. Wie bei jeder Pionierarbeit mußten manche sonst selbstverständlich erscheinende Voraussetzungen erst geschaffen werden, so z. B. ein Schema für die Umschrift der fremdsprachigen Namen, 42

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